Posted in: Klima, Tierwelt 22. März 2018 14:17 0 Kommentare Weiter lesen →

München: Mehr Wildbienenarten durch Klimaerwärmung

Die Klimaerwärmung erleichtert wärmeliebenden Wildbienenarten das Leben. Das haben Forscher im Botanischen Garten München-Nymphenburg beobachtet. Sie gehen von mindestens 106 Wildbienenarten auf dem Gelände aus, 15 neue Arten sind erst in den letzten Jahren hinzu gekommen.

Botanische Gärten stellen dank der Pflege durch den Menschen so etwas wie künstliche, „optimierte“ aber langzeitig stabile Lebensräume für blütenbesuchende Insekten dar. Lediglich die Temperatur ändert sich auch für die Pflanzen und Insekten dort mit der Klimaerwärmung. Der Artenreichtum des Botanischen Gartens München, seine geschützte Lage und die Nichtanwendung von chemischem Pflanzenschutz sind seit der Eröffnung des Gartens 1914 unverändert geblieben. Eine erste Inventarisierung der Wildbienenfauna des Botanischen Garten München fand in den Jahren 1997-1999 statt. Nun wurden fast 20 Jahre später die dort vorkommenden Wildbienenarten erneut dokumentiert.

Die Doktorandin Michaela Hofmann von der LMU München hat zusammen mit Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München von 2015 bis 2017 jeweils von Frühjahr bis Herbst auf regelmäßigen Kontrollgängen durch den Botanischen Garten alle gefundenen Bienen dokumentiert. Bei größeren Arten war das teilweise schon anhand von guten Makrofotos möglich, bei vielen kleinen und schwierig zu bestimmenden Wildbienenarten war eine genaue Bestimmung nur durch DNA-Abgleich mit dem Barcoding-Projekt Fauna Bavarica der Zoologischen Staatssammlung möglich.

Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea)

Die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) ist eine große, auffällige Wildbienenart von bis zu 3 cm Länge. Foto: Michaela Hofmann

Die Ergebnisse sind überraschend deutlich: Wurden 1997-1999 noch 79 Wildbienenarten im Botanischen Garten nachgewiesen, konnten 20 Jahre später 106 Arten gefunden werden. Im gesamten Stadtgebiet München sind seit 1990 192 Bienenarten von Insektenkundlern gefunden worden, das heißt 55% aller Münchner Bienenarten kommen auch im Botanischen Garten mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrung und Nistplätzen vor.

Von den 1997-1999 nachgewiesenen 79 Arten wurden 62 von 2015 bis 2017 wiedergefunden (einige davon sind heute sehr viel häufiger), aber 15 wärmeliebende Wildbienenarten wurden erstmals gefunden. Drei Wildbienenarten, die eher kühlere Lebensräume wie Wälder bevorzugen, wurden nicht wiedergefunden.

Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)

Die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae) breitet sich seit etwa 2000 im Zuge der Klimaerwärmung von Süden her aus. Foto: Andreas Fleischmann, SNSB-BSM

Zwischen 1997 und 2017 hat sich die durchschnittliche Temperatur während der Vegetationszeit in München um 0.5 °C erhöht, während die Winter immer kürzer wurden. Unter den zwischen 2015 und 2017 neu im Botanischen Garten ‚angekommenen‘ Bienen sind entsprechend mehrere Arten, die bis vor ca. 20 Jahren nur von den Wärmeinseln Deutschlands bekannt waren. Dazu gehört zum Beispiel die große und auffällige Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca).

Keinerlei Zusammenhang konnte dagegen gefunden werden zwischen Verschwinden oder Neufund und dem Rote-Liste-Status oder den Nahrungspräferenzen der Arten (ob sie z. B. auf bestimmte Blüten spezialisiert sind oder nicht). Lediglich die Wärmepräferenzen der Bienenarten waren signifikant für ihr Vorkommen.

Die Ergebnisse der Wildbienen-Erfassung wurden jetzt in der Fachzeitschrift Oecologia veröffentlicht.

Forschung: M. M. Hofmann, A. Fleischmann, S. S. Renner; Online-Veröffentlichung in Oecologia, 14.3.2018, https://doi.org/10.1007/s00442-018-4110-x

WWW:
Veröffentlichung in Oecologia
Wildbienen im Botanischen Garten München
München sucht nummerierte Wildbienen
Botanische Staatssammlung München

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