Plastikmüll kommt über Flüsse ins Meer

Im Wasser fast aller Meere und Flüsse finden sich kleine Plastikpartikel. Die jährlichen Einträge sind enorm, und Plastik verwittert nur sehr langsam. Umweltforscher konnten jetzt zeigen, dass diese Art von Müll vor allem über große Flüsse – besonders in Asien und Afrika – ins Meer eingetragen wird.

Durch die im Wasser schwimmenden Partikel können Meeresbewohner Schaden nehmen, beispielsweise wenn Fische, Seevögel oder Meeressäuger diese mit Futter verwechseln und fressen. „Die ökologischen Folgen sind bislang noch nicht abzusehen. Klar ist aber, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt Dr. Christian Schmidt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). „Da es aber unmöglich ist, die Ozeane vom bereits vorhandenen Plastikmüll zu befreien, müssen wir vorsorgen und den Eintrag von Plastik schnell und effizient reduzieren.“

Über welchen Weg das Plastik ins Meer gelangt, haben Schmidt und sein Team in einer Studie nachgewiesen, die kürzlich im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“ erschienen ist. Dafür haben die Forscher verschiedene wissenschaftliche Studien analysiert, in denen die Plastikfracht – das ist die Menge des im Wasser transportierten Plastiks – in Flüssen untersucht wurde. Die Ergebnisse der Studien haben sie in miteinander vergleichbare Datensätze umgerechnet und mit der Menge des nicht fachgerecht entsorgten Abfalls des jeweiligen Einzugsgebietes ins Verhältnis gesetzt.

„Wir konnten zeigen, dass hier ein eindeutiger Zusammenhang besteht“, sagt Schmidt. „Je mehr Müll im Einzugsgebiet nicht fachgerecht entsorgt wird, desto mehr Plastik landet letztlich im Fluss und gelangt über diesen Transportweg ins Meer.“ Dabei spielen große Flüsse offenbar eine besonders große Rolle – und das nicht nur, weil sie aufgrund ihres größeren Abflusses im Vergleich auch mehr Müll transportieren. Schmidt: „Die Plastikkonzentrationen, also die Plastikmenge pro Kubikmeter Wasser, sind in großen Flüssen deutlich höher als in kleinen. Die Plastikfrachten steigen daher mit der Größe des Flusses überproportional an.“

Grafik: Susan Walter, UFZ

Grafik: Susan Walter, UFZ

Die Forscher haben zudem berechnet, dass die zehn Flusssysteme mit der höchsten Plastikfracht – acht davon in Asien, zwei in Afrika – für rund 90 Prozent des globalen Plastikeintrags ins Meer verantwortlich sind. „Wenn es in Zukunft gelingt, den Plastikeintrag aus den Einzugsgebieten dieser Flüsse zu halbieren, wäre schon sehr viel erreicht“, sagt Schmidt. „Dafür muss das Abfallmanagement verbessert und das Bewusstsein der Bevölkerung sensibilisiert werden. Wir hoffen, dass wir mit unserer Studie zu einer positiven Entwicklung beitragen können, damit das Plastikproblem der Ozeane langfristig eingedämmt werden kann.“

In zukünftigen Untersuchungen will das UFZ-Team herausfinden, wie lange in einen Fluss gelangter Plastikmüll benötigt, bis er im Meer ankommt. „Das ist wichtig zu wissen, denn die Wirkung einer Maßnahme macht sich dann erst mit entsprechender Verzögerung bemerkbar, da zuerst noch viele Altlasten ins Meer gespült werden“, erklärt Schmidt. „Nur wenn wir den ungefähren Zeitrahmen der Verweilzeiten des Plastikmülls im jeweiligen Flusssystem kennen, kann eine Maßnahme zur Verbesserung des Abfallmanagements im Einzugsgebiet auch bewertet werden.“

Forschung: Christian Schmidt, Tobias Krauth, Stephan Wagner; in Environ. Sci. Technol. DOI: 10.1021/acs.est.7b02368

WWW:
Artikel im „Environmental Science & Technology“
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ

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2 Kommentare zu "Plastikmüll kommt über Flüsse ins Meer"

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  1. So sehr der Ansatz nach der Suche der größten und bedeutendsten Verursacher überzeugt, so muß das Problem natürlich auch vor Ort in den hochentwickelten Industriestaaten angegangen werden. Wer sich einmal an der Elbe nach einer Flut umgeschaut hat, wird vom zahlreichen Plastikmüll in den verschiedensten Fraktionsgrößen regelrecht entsetzt sein. Das Problem in Asien und Afrika zu bennen ist nur die halbe Wahrheit …

    • hwester sagt:

      „Das Problem in Asien und Afrika zu bennen ist nur die halbe Wahrheit …“ Es entspricht aber 90% der Wirklichkeit – bei der individuell erwünschten Wahrheit mag es tatsächlich anders sein. Aber das ist Politik und nicht Wissenschaft.

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