Posted in: Natur- und Umweltschutz, Pflanzenwelt 20. Juli 2016 12:08 Weiter lesen →

Bestäubung von Waldbäumen ist weltweit bedroht

Menschliche Eingriffe wirken sich negativ auf die Bestäubung und Samenausbreitung von Bäumen und anderen Waldpflanzen aus. Verantwortlich ist in erster Linie der Rückgang der daran beteiligten Insekten, Vögel und Säugetiere. Damit verringert sich langfristig die Möglichkeit des Waldes, eigenständig nachzuwachsen.

Dieser Effekt ist sowohl in tropischen Wäldern als auch in Wäldern der gemäßigten Breiten beobachtbar. Das zeigt ein Vergleich von 408 Studien zur Regeneration von Waldpflanzen in 34 Ländern rund um den Globus. Diese erste globale Meta-Analyse über Waldregeneration veröffentlichten Forschende der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt im Fachjournal „Scientific Reports“.

Bestäubung und Samenausbreitung von Sträuchern und Bäumen basieren fast ausschliesslich auf Tieren. Foto: Eike Lena Neuschulz / Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Bestäubung und Samenausbreitung von Sträuchern und Bäumen basieren fast ausschliesslich auf Tieren. Foto: Eike Lena Neuschulz / Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Die Forscher untersuchten, welche Prozesse des Regenerationszyklus von Pflanzen besonders von menschlicher Nutzung beeinflusst sind und verglichen dabei naturbelassene Wälder mit solchen, die durch Menschen intensiv genutzt werden. „Wir sind dabei die Ersten, die anhand einer Meta-Analyse bestehender Einzelstudien alle wichtigen ökologischen Prozesse der Waldregeneration weltweit vergleichend untersucht haben“, sagt Dr. Eike Lena Neuschulz, Leitautorin der Studie vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.

Der Regenerationszyklus von Pflanzen umfasst für die Pflanze positive Prozesse, wie Bestäubung, Samenausbreitung und die Etablierung der Keimlinge, als auch negative Prozesse, wie Samenraub oder Blattfrass. Pflanzen profitieren insbesondere am Anfang dieses Zyklus von der Interaktion mit Tieren: Bienen bestäuben Pflanzen und tragen ihr Erbgut weiter und Samen werden von Vögeln gefressen und fallen mit dem Kot anderswo zu Boden, um dort zu keimen. Landnutzungswandel, Wilderei und Übernutzung der Wälder bringen jedoch die an dieser Stelle tätigen Dienstleister – Insekten, Vögel und Säugetiere – in Bedrängnis und stören damit auch die Regeneration des Waldes.

Allerdings zeigt die Studie, dass die Effekte menschlicher Nutzung auf die späteren Prozesse, wie Samenraub, Etablierung und Blattfrass, sehr variabel sind. Beispielweise wird durch Abholzung der Wald lichter und erleichtert damit die Keimung vieler Pflanzen; gleichzeitig trocknet der Boden schneller aus, was ungünstig für die Etablierung der Pflanze ist. Als Verliererarten im Ringen um den Nachwuchs identifiziert das Team insbesondere Bäume mit großen Samen, deren Ausbreitung von großen und besonders stark bedrohten Tieren unterstützt werden muss.

„Unsere Studie zeigt, dass der Mensch einen starken negativen Einfluss auf die ersten Schritte im Regenerationszyklus der Wälder hat, während der Einfluss auf die späteren Prozesse unterschiedlich ist“, so Neuschulz. „Wir plädieren auf Basis unserer Ergebnisse dafür, Tierarten besser zu schützen, da ihre Dienstleistung für die Bestäubung und Samenausbreitung von Waldpflanzen entscheidend ist. Nur so können wir die Regenerationsfähigkeit der Wälder langfristig erhalten.“

Forschung: Eike Lena Neuschulz, Thomas Mueller, Matthias Schleuning, Katrin Böhning-Gaese; Veröffentlichung in „Scientific Reports“ 6, Article number: 29839 (2016); Online-Veröffentlichung 20.07.2016; Doi:10.1038/srep29839

WWWW:
Veröffentlichung in „Scientific Reports“
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum

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