Posted in: Pflanzenwelt 19. März 2015 18:00 Weiter lesen →

Pilz mit Leuchtreklame

Foto zeigt grünlich glimmende Pilze im Dunkeln So wie Blumen morgens ihre Blüten öffnen, um tierische Helfer anzulocken, knipsen manche Pilze in der Nacht ihr Licht an. Diesen erstaunlichen Schluss legen Untersuchungen brasilianischer und amerikanischer Forscher nahe. Die von ihnen studierte Pilzart zeigt demnach vor allem in den Nachtstunden ein grünliches Glimmen und weckt auf diese Weise das Interesse von Käfern und anderen Insekten.

Foto: Michele P. Verderana/IP-USP-2008

„Offenbar produzieren Pilze Licht und werden so von Insekten bemerkt, die ihnen bei der Besiedlung neuer Flächen helfen können“, erklärt Cassius Stevani von der Universität São Paulo. Damit nicht genug, sorgt eine innere Uhr dafür, dass das nur nachts wahrnehmbare Leuchten am Tag heruntergedimmt wird, berichten der Chemiker und seine Kollegen im Fachblatt „Current Biology“.

Die Gruppe um Stevani und seinen Studenten Anderson Oliveira untersuchte mit Neonothopanus gardneri einen Verwandten des Champignons, der im Nordosten Brasiliens wächst. Von den Einheimischen auch als „Kokosblume“ bezeichnet, gedeiht der Zersetzer bevorzugt in Palmwäldern und dort an der Stammbasis der Bäume. An diesem speziellen Standort gebe es im Allgemeinen kaum Luftbewegungen, so die Forscher. Insekten könnten daher eine wertvolle Hilfe bei der Ausbreitung der Pilzsporen sein.

2 Fotos zeigen beigefarbene Pilze an einer jungen Palme bei Tageslicht und dieselbe Szene im Dunkeln mit grünlichem Leuchten der Pilze

Foto: Michele P. Verderana/IP-USP-2008

Oliveira ließ den Pilz in Kulturschalen und zunächst in einem strikten Wechsel von 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit wachen. Wurde nun das Licht dauerhaft abgeschaltet, so zeigte das Pilzgeflecht noch mehrere Tage lang ein im 22-Stunden-Takt intensiver und wieder schwächer werdendes Leuchten. Eine Änderung der Temperatur wirkte sich – anders als bei einem rein chemischen Phänomen – kaum auf den Takt aus. Offenbar handelt es sich bei dem sorgfältig kontrollierten Lichtrhythmus also um eine evolutionär bewährte und verfeinerte Eigenheit, folgern Oliveira, Stevani und Kollegen.

Die Gruppe machte die Probe aufs Exempel und platzierte Pilzimitate aus Kunstharz in einem typischen Palmenwald. In der Hälfte der Imitate steckte eine LED, die nach Art des natürlichen Vorbilds grünes Licht mit Wellenlängen um 525 Nanometer aussandte. Tatsächlich wurden diese leuchtenden Kunstpilze nachts drei- bis viermal häufiger von Käfern, Fliegen, Wanzen, Wespen und Ameisen besucht als die dunklen Imitate, beobachteten die Forscher. Ihrer Ansicht nach stützt dieses Resultat die Hypothese „eines selektiven Vorteils im Hinblick auf die Sporenausbreitung“ durch das nächtliche Glimmen.

Forschung: Anderson G. Oliveira und Cassius V. Stevani, Instituto Oceanográfico und Instituto de Química, Universidade de São Paulo; Jay C. Dunlap, Department of Genetics, School of Medicine, Dartmouth College, Hanover; und andere

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2015.02.021

WWW:
Laboratório de Bioluminescência de Fungos, Cassius Stevani
Dunlap and Loros Laboratories, Dartmouth Medical School
Mushroom Lights Up the Night in Brazil
Biolumineszenz
Circadian Rhythms

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