Posted in: Klima, Land 6. Mai 2014 16:41 Weiter lesen →

Alle Gletscher in einer Datenbank

Foto zeigt weiß-graue Gletscherzunge zwischen Alpenbergen Das erste vollständige Verzeichnis der Gletscher hat eine internationale Forschergruppe erstellt. Die umfassende Datenbank enthält Informationen zu Lage, Form und Größe von beinahe 200.000 Gletschern mit einer Gesamtfläche von 730.000 Quadratkilometern. Damit wird es möglich, die Rolle der Gletscher im Wasserhaushalt einzelner Regionen und ihren Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegel besonders zuverlässig zu untersuchen.

Der Schlatenkees im Nationalpark Hohe Tauern bringt es auf eine Fläche von rund 9 Quadratkilometern. Foto: Rafael Brix (SehLax) via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

„Endlich wissen wir, wie viele Gletscher es auf der Erde gibt, wo sie sich befinden, wie groß sie sind und wie viel Eis in ihnen gespeichert ist“, erklärt Georg Kaser von der Universität Innsbruck, einer der Initiatoren des Gletscherinventars. „Dieser Zugewinn an Daten bedeutet vor allem, dass die Wissenschaftler jetzt Berechnungen machen können, welche zuvor schlichtweg unmöglich waren“, ergänzt sein Kollege Graham Cogley von der kanadischen Trent-Universität.

Vollständige und einheitliche Aufstellungen der Gletscher gab lange Zeit nur für einzelne Regionen. Seit einigen Jahren arbeiten Glaziologen auch an entsprechenden globalen Verzeichnissen. Den Anstoß für die nun erfolgte, sehr rasche Bewältigung dieser Aufgabe gab dann der 5. Sachstandbericht des Weltklimarats (IPCC). Das Randolph-Gletscherinventar, so benannt nach dem Ort eines der ersten Arbeitsgruppentreffen, erfasst praktisch sämtliche Gletscher der Erde mit Ausnahme der großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis.

Das Eis in diesen Gletschern bringt es auf ein Volumen von rund 170.000 Kubikkilometern, schätzen Kaser, Cogley und Kollegen im „Journal of Glaciology“. Würde es vollständig schmelzen, stiege der Meeresspiegel um bis zu 47 Zentimeter – bisherige Schätzungen waren von etwa 60 Zentimetern ausgegangen. Das ist zwar kaum 1 Prozent des Meeresspiegeläquivalents von 63 Metern, das in den großen Eisschilden gespeichert ist. Gleichwohl tragen die Gletscher derzeit ähnlich stark wie die Eisschilde zum Anstieg des Meeresspiegels bei, da ihr Eis den steigenden Temperaturen stärker ausgesetzt ist und sich meist schon dicht unter dem Schmelzpunkt befindet.

Forschung: W. Tad Pfeffer, Institute of Arctic and Alpine Research, University of Colorado, Boulder; Anthony A. Arendt, Geophysical Institute, University of Alaska, Fairbanks; J. Graham Cogley, Department of Geography, Trent University, Peterborough; Georg Kaser, Institut für Meteorologie und Geophysik, Universität Innsbruck; und andere

Veröffentlichung Journal of Glaciology, Vol. 60(221), pp 537–52, DOI 10.3189/2014JoG13J176

WWW:
Randolph Glacier Inventory
Institut für Meteorologie und Geophysik, Uni Innsbruck
Gletscher und Eisschilde
Intergovernmental Panel on Climate Change

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