Posted in: Tierwelt 19. März 2014 08:03 Weiter lesen →

Python mit Navi

Foto zeigt Tigerpython, große Schlange mit dunklen Flecken auf heller Grundfarbe, im Gras Manche Schlangen sind hervorragende Navigatoren, belegt erstmals ein Experiment amerikanischer Biologen. Dabei wurden Tigerpythons in Florida gefangen und in bis zu 36 Kilometern Entfernung freigelassen. Alle Tiere tauchten nach einiger Zeit wieder in ihrem ursprünglichen Gebiet auf.

Foto: Susan Jewell, U.S. Fish and Wildlife Service

„Unsere Studie belegt, dass Tigerpythons sowohl über einen Kartensinn als auch einen Kompasssinn verfügen“, schreiben die Forscher um Michael Dorcas vom Davidson College im US-Bundesstaat North Carolina. Diese Fähigkeiten müssten berücksichtigt werden, wenn man die Ausbreitung der aus Asien stammenden Würgeschlangen im Südosten der USA eindämmen wolle.

Unter den Reptilien gelten vor allem Meeresschildkröten und manche Krokodile als gute Navigatoren, entsprechende Tests bei Schlangen lieferten bislang eher dürftige Resultate. Dorcas und Kollegen wählten mit dem Tigerpython (Python molurus bivittatus) nun eine der größten Spezies aus, die sich zudem seit einigen Jahrzehnten im Süden Floridas ausbreitet. Die einst gebietsfremden Tiere haben mittlerweile eine stabile Population aufgebaut – mit verheerenden Konsequenzen insbesondere für die einheimischen Säuger.

Die Forscher fingen in den Everglades insgesamt 12 ausgewachsene Tigerpythons und schafften diese zunächst in ein Naturschutzzentrum, wo ihnen kleine Funksender eingepflanzt wurden. Daraufhin wurden 6 Tiere wieder an ihrem Fangort, die übrigen dagegen in 21–36 Kilometern Entfernung davon ausgesetzt. In den folgenden Monaten bewegten sich die versetzten Pythons zielstrebig und mit bis zu 1,8 Kilometern pro Tag in ihr ursprüngliches Gebiet zurück, berichten die Forscher im Fachblatt „Biology Letters“. Fünf dieser Tiere befanden sich am Ende des Studienzeitraums in höchstens 5 Kilometern Abstand von ihrem Fangort. Dagegen waren die Bewegungen der Kontrolltiere ungerichtet und mehr oder weniger zufällig.

Offenbar verfügten Tigerpythons über ein für Schlangen ausnehmend gutes Heimfindevermögen, folgern Dorcas und Kollegen. Die zielgerichtete Bewegung der Tiere setze einen Kompasssinn voraus, während das Erkennen des ursprünglichen Startpunkts einen gewissen Kartensinn erfordere. In beiden Fällen gebe es eine Vielzahl möglicher Navigationsmerkmale, neben dem Erdmagnetfeld beispielsweise auch Gerüche und die Polarisation des Sonnenlichts.

Forschung: Shannon E. Pittmann und Michael E. Dorcas, Department of Biology, Davidson College, Davidson; Kristen M. Hart, Southeast Ecological Science Center, US Geological Survey, Davie; und andere

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2014.0040

WWW:
Herpetology Lab, Davidson College
Invasive Pythons in Everglades National Park
Tigerpython

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