Posted in: Natur- und Umweltschutz, Pflanzenwelt 18. Februar 2014 12:13 Weiter lesen →

Düngemittel schwächen Gleichgewicht auf Wiesen

Dünger hat einen negativen Einfluss auf die Ökosysteme von Wiesen und Weiden. Er destabilisiert diese in globalem Maßstab, berichtet ein internationales Forschungsteam um Yann Hautier vom Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich. Die Forscher berufen sich auf Daten aus einem weltweiten Netzwerk von Forschungsstandorten, dem so genannten «Nutrient Network». Ihre Studie berücksichtigt natürliche Ökosysteme auf allen fünf Kontinenten.

Blumenwiese Foto: Oskar/Fotolia.com

Nach Aussage der Forscher verringert sich die Vielfalt und Stabilität in Wiesen und Weiden, wenn Dünger zugegeben wird. Düngemittel werden absichtlich eingesetzt, um die Produktivität von Nahrungs- und Futtermitteln zu erhöhen. Sie gelangen aber auch unabsichtlich in den Stoffkreislauf, da Stickstoff durch die Landwirtschaft, Industrie und die Verbrennung von fossilen Brennstoffen in die Atmosphäre gelangt und über die Niederschläge auf Wiesen und Weiden fällt. Dort verändern sich das Wachstum und die Vielfalt der Pflanzenarten: Je mehr Nährstoffe in das System gelangen, desto stärker geht der stabilisierende Effekt der Artenvielfalt verloren und das Ökosystem kann aus dem Gleichgewicht geraten.

Artenreiche Ökosysteme reagieren nach Beobachtung der Forscher viel weniger stark auf sich verändernde Umweltbedingungen als artenarme. Verantwortlich dafür sei das sogenannte asynchrone Wachstum der Pflanzen, so die Wissenschaftler: Wachse unter gewissen Bedingungen eine Art weniger gut, kompensiere eine andere Art den Verlust mit besserem Wachstum. Das sei vergleichbar mit dem aus der Wirtschaft bekannten „Portfolio-Effekt“: Verteile man seine Investitionen auf mehrere Anlagen, könne man auf die Bewegungen in der Gesamtwirtschaft ausgeglichener reagieren, als wenn man nur auf wenige Anlagen setze.

Durch den Eintrag von Dünger gehe der „Portfolio-Effekt“ verloren, so die Forscher, weil dann weniger Arten wachsen und diese gleich, also synchron, auf Umweltveränderungen reagieren. „Man sollte nicht nur berücksichtigen, wie produktiv Ökosysteme im Moment sind, sondern auch wie stabil sie langfristig sein werden. Die biologische Vielfalt ist dabei entscheidend, wenn die Stabilität von Ökosystemen langfristig erhalten werden soll“, erklärt Martin Schütz von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL.

Forschung: Yann Hautier, Eric W. Seabloom, Elizabeth T. Borer, Martin Schütz u.a.; Veröffentlichung in „Nature“, 16.2.2014. Doi: 10.1038/nature13014

WWW:
Abstract in „Nature“
Nutrient Network
Ökologie am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften, Universität Zürich

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