Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 5. Februar 2014 18:23 Weiter lesen →

Übersehene Schimpansen

Foto zeigt 2 Schimpansen in einer Baumkrone, den Fotografen betrachtend Im Norden des Kongobeckens lebt eine große und bislang vernachlässigte Population von Menschenaffen. Entsprechende Belege liefern Begehungen, die Amsterdamer und Leipziger Forscher in den letzten Jahren durchgeführt haben. Anhand der dabei gezählten Schlafnester schätzen sie, dass entlang des Flusses Uelle mehrere Tausend Schimpansen heimisch sind.

Foto: Ephrem Mpaka, Lukuru Wildlife Research Foundation

„In den Wäldern und Savannen im Norden der Demokratischen Republik Kongo ist, von Forschern bis vor kurzem unbemerkt, eine große Schimpansenpopulation beheimatet”, erklärt Thurston Cleveland Hicks vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und von der Universität Amsterdam. „Es könnte sich dabei um die wohl größte Population von Östlichen Schimpansen handeln.“

Hicks und Kollegen haben seit dem Jahr 2004 mehrmals systematische Begehungen im Distrikt Bas-Uele der Demokratischen Republik Kongo durchgeführt und so ein Gebiet von rund 50.000 Quadratkilometern zu Fuß erschlossen. Die dabei gezählten Nester ließen auf eine Population von mehreren Tausend Östlichen Schimpansen (Pan troglodytes schweinfurthii) schließen, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Biological Conservation“. Und während die meisten afrikanischen Menschenaffen-Bestände in den letzten Jahren drastisch abgenommen haben, scheint die Uele-Population zumindest im schwer zugänglichen Bili-Gangu-Wald nicht geschrumpft zu sein.

Video: MPI-EVA/Lukuru Wildlife Research Foundation

Das könnte sich allerdings schon bald ändern, befürchten die Wissenschaftler. „Leider unterstehen die Tiere momentan keinerlei Schutz“, so Hicks. „In Bili und Umgebung wurden häufiger als zuvor Wildtierkadaver und Schimpansenwaisen gesichtet“, ergänzt sein Kollege Christophe Boesch, der Leiter der Leipziger Arbeitsgruppe. „Ohne einen angemessenen Schutz könnten diese Schimpansen denselben Umständen zum Opfer fallen wie ihre Artgenossen in anderen Teilen Afrikas.“ Umso wichtiger seien die neuen Erkenntnisse für die Planung gezielter Schutzmaßnahmen.

Forschung: Thurston C. Hicks, Sandra Tranquili, Christophe Boesch und Steph B. J. Menkena, Instituut voor Biodiversiteit en Ecosysteem Dynamica, Universiteit van Amsterdam, und Abteilung für Primatologie, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig; John Hart, Lukuru Wildlife Research Foundation, Kinshasa; und andere

Veröffentlichung Biological Conservation, Vol. 171, März 2014, pp 107–13, DOI 10.1016/j.biocon.2014.01.002

WWW:
Institute for Biodiversity and Ecosystem Dynamics, Universiteit van Amsterdam
Chimpanzee Research Group, Max-Planck-Institut für evolutionäre Antropologie
Bili Apes, Wasmoeth Wildlife Foundation
Chimpanzees, Jane Goodall Institute
Uelle

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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