Posted in: Meeresforschung, Pflanzenwelt 30. Januar 2014 20:02 Weiter lesen →

Gelöst: Das Rätsel der Ostsee-Hexenringe

Foto zeigt dunkle Ringe im flachen Wasser, helle Kalkflecken Eine Erklärung für rätselhafte „Hexenringe“ in der Ostsee haben dänische Forscher gefunden. Die seltsamen Gebilde aus Seegras gehen demnach nicht etwa auf alte Bombenkrater zurück. An der Wurzel des Phänomens stehen vielmehr giftige organische Verbindungen, für deren Ansammlung das Seegras selbst verantwortlich ist.

Foto: Jacob T. Johansen, Journalist

Die dunklen Ringe im Meer vor der dänischen Insel Møn hätten erstmals im Jahr 2008 für Aufsehen gesorgt, erklärt Marianne Holmer von der Süddänischen Universität in Odense. Zwar habe sich schnell gezeigt, dass die bis zu 15 Meter großen Gebilde aus Gewöhnlichem Seegras (Zostera marina) beständen. Normalerweise bilde diese Pflanze jedoch geschlossene Matten. Über die Gründe für das Ringmuster habe man bislang nur spekulieren können.

Nach ausführlichen Untersuchungen vor Ort glauben die Forscher um Holmer und ihren Kollegen Jens Borum von der Universität Kopenhagen nun, das Rätsel lösen zu können. Ein wichtiger Faktor ist der Untergrund: Das Seegras vor Møn wächst auf beinahe nacktem Kalk, aus dem auch die Kreidefelsen Møns und ihrer deutschen Nachbarinsel Rügen bestehen. Ein weiterer Faktor ist die Vermehrung der Pflanze mithilfe von Ablegern: Anfänglich kleine Nester dehnen sich daher zu kreisrunden Matten aus. Und in diesen wachsenden Matten verfängt sich mit der Zeit immer mehr Material, das normalerweise von der Strömung fortgetragen würde.

Foto zeigt Blick über Kreidefelsen auf Meer Die Kreidefelsen von Møn. Foto: Bera via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Beim Abbau der organischen Sedimentbestandteile entstehen giftiger Schwefelwasserstoff und weitere Sulfide. Andernorts könnten diese Verbindungen mit Eisen aus dem Meeresgrund reagieren und so unschädlich gemacht werden. Weil die Kreide von Møn aber nur wenig Eisen enthält, reichern sich allmählich Sulfide im Pflanzengewebe an. Junge und kräftige Pflanzen am Rand der Matten können die giftigen Substanzen tolerieren, nicht jedoch die älteren Pflanzen im Zentrum. Sie verkümmern oder sterben gänzlich ab.

„Das Resultat ist eine außergewöhnliche runde Figur, in der es nur noch am Rand Leben gibt – ganz ähnlich den Hexenringen auf einer Wiese“, folgern Holmer und Borum. Dass Seegras und andere Meeresorganismen generell durch Sulfide vergiftet würden, sei allerdings ein weltweit zu beobachtendes Phänomen, so die Biologen weiter. Oft seien Nährstoffeinleitungen aus der Landwirtschaft die Ursache.

Forschung: Jens Borum, Biologisk Institut, Københavns Universitet; Marianne Holmer, Biologisk Institut, Syddansk Universitet, Odense; und andere

Veröffentlichung Marine Biology, Vol. 161(2), pp 351–8, DOI 10.1007/s00227-013-2340-3

WWW:
Biologisk Institut, Syddansk Universitet
Biologisk Institut, Københavns Universitet
Eelgrass
seagrasses.org

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Quecksilber-Archiv in Seegras
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