Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 8. November 2013 16:49 Weiter lesen →

Wintersport stresst Schneehasen

Foto zeigt Hasen mit weißem Fell, gut getarnt an schneebedecktem Hang unter tiefblauem Gebirgshimmel Wenn Schneehasen und Menschen in den Alpen aufeinandertreffen, ist die Begeisterung höchst einseitig. Das belegen Untersuchen einer schweizerisch-österreichischen Forschergruppe im Kanton Graubünden. Je mehr Wintertouristen in einem Gebiet unterwegs sind, desto mehr Stresshormone haben die Tiere demnach im Blut.

Foto: Rolf Giger/Vetmeduni Wien

„Stress führt zu erhöhtem Energieverbrauch bei den Hasen und könnte im Winter das Überleben bedrohen und die anschließende Fortpflanzung negativ beeinflussen“, erklärt Maik Rehnus von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und von der Universität für Bodenkultur in Wien. „Wir empfehlen deshalb, größere Waldgebiete, in denen Schneehasen leben, für den Wintertourismus zu sperren. Davon könnten auch andere gefährdete Tierarten in den Alpen profitieren.“

Etwas gedrungener gebaut als der Feldhase, ist der Schneehase (Lepus timidus) berühmt für sein weißes Winterfell. In den Alpen eigentlich ab etwa 1.300 Metern heimisch, müssen die Tiere infolge des Klimawandels in immer größere Höhen ausweichen. Offenbar wird ihnen das Leben durch den zunehmenden Wintertourismus zusätzlich erschwert, berichten Rehnus und Kollegen im „Journal of Applied Ecology“.

Im Labor von Rupert Palme an der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchte die Gruppe 132 Kotproben, die sie im Schweizerischen Nationalpark und in benachbarten Skigebieten gesammelt hatte. Gemessen an den Abbauprodukten von Glucocorticoiden im Kot, weisen Tiere demnach umso höhere Spiegel von Stresshormonen auf, je mehr Skifahrer und Schneewanderer in einem Gebiet unterwegs sind.

Die möglichen Konsequenzen offenbarte ein Experiment mit gefangenen Schneehasen, die mit einem potenziellen Fressfeind konfrontiert wurden. Bei diesen Tieren ging ein höherer Spiegel von Stresshormonen mit kürzeren Ruhephasen, weniger Fellpflege und seltenerem Fressen des eigenen Kots auf. Durch diese Koprophagie nehmen Hasen Vitamine und andere Nährstoffe auf, die von Bakterien in der Gärkammer ihres Darms gebildet worden sind. Auf diese zusätzliche Ressource seien Schneehasen gerade im Winter angewiesen, so die Forscher. Umso bedenklicher sei eine Beeinträchtigung dieses Verhaltens.

Forschung: Maik Rehnus, Eidgenössiche Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Birmensdorf, und Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, Universität für Bodenkultur, Wien; Martin Wehrle, Natur- und Tierpark Goldau; Rupert Palme, Veterinärmedizinische Universität Wien

Veröffentlichung Journal of Applied Ecology, DOI 10.1111/1365-2664.12174

WWW:
Biodiversität und Naturschutzbiologie, WSL Birmensdorf
Medizinische Biochemie, Veterinärmedizinische Universität Wien
Schneehase – gut getarnt
Nebennierenreaktion und Stresshormone

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