Posted in: Klima 24. Oktober 2013 15:56 Weiter lesen →

Altes Moos belegt „unnatürliche“ Erwärmung

Foto zeigt mittelalten Mann auf einem freiliegenden Geröllfleck im Schnee, Proben in eine Plastiktüte gebend In der Region um den Nordpol ist es derzeit so warm wie seit vielen Jahrtausenden nicht mehr. Diesen Schluss legt die Untersuchung von Moosen nahe, die schrumpfende Eismassen auf einer kanadischen Insel freigegeben haben. Amerikanische Forscher haben ermittelt, dass die Pflanzen vor mindestens 44.000 Jahren zum letzten Mal Photosynthese betrieben und Kohlendioxid aufgenommen haben.

Foto: Gifford Miller/CU-Boulder

Weil die Datierung mit der Radiokohlenstoffmethode nur bis zu einem Alter von etwa 50.000 Jahren brauchbare Werte liefere, könnte der Zeitpunkt auch noch weiter zurückliegen, erläutert Gifford Miller von der Universität von Colorado in Boulder. „Unsere Studie belegt, dass die derzeit zu beobachtende Erwärmung außerhalb jeglicher natürlichen Schwankungsbreite liegt“, so der Geowissenschaftler. „Und dies lässt sich nur auf die erhöhte Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zurückführen.“

Miller und seine Kollegen bestimmten das Alter von 145 Moospflanzen von der Baffin-Insel zwischen Grönland und dem nordamerikanischen Festland. Derzeit ziehen sich die Eiskappen auf der riesigen, überwiegend jenseits des Nordpolarkreises gelegenen Insel um 2 bis 3 Meter pro Jahr zurück. Die nun untersuchten Pflanzen waren in höchstens 1 Meter Abstand vom Eisrand gesammelt worden, lagen also erst seit Kurzem frei.

Luftaufnahme zeigt ovale Eiskappe in braungrauer Felslandschaft Foto: Gifford Miller/CU-Boulder

Um ihre Resultate besser einordnen zu können, analysierten die Forscher zusätzlich Klimadaten, die anhand von grönländischen Eisbohrkernen gewonnen worden waren. Demnach erreichen die Sommertemperaturen auf der Baffin-Insel derzeit Werte, wie sie in der Region zuletzt vor etwa 120.000 Jahren und damit vor Beginn der letzten Vereisung der Nordhalbkugel auftraten. „Wir sind der Ansicht, dass diese Zahl am ehesten das Alter unserer Proben widerspiegelt“, so Miller weiter.

Die außergewöhnliche Wärme werde den arktischen Inselarchipel wohl tiefgreifend verändern, ist der Forscher überzeugt. „Überall auf der Baffin-Insel schmilzt es. Es steht zu erwarten, dass die dortigen Eiskappen schließlich verschwinden werden, selbst ohne weitere Erwärmung.“

Forschung: Gifford H. Miller und Scott J. Lehman, Institute of Arctic and Alpine Research und Department of Geological Sciences, University of Colorado, Boulder; Yafang Zhong, Center for Climatic Research, University of Wisconsin, Madison; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, DOI 10.1002/2013GL057188

WWW:
Institute of Arctic and Alpine Research, University of Colorado
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