Posted in: Energie, Landwirtschaft 21. Oktober 2013 13:11 Weiter lesen →

Viel Energie aus Stroh

Foto zeigt Getreidefeld während der Erntezeit, Traktor, viele runde Strohballen Auf deutschen Getreideäckern fallen jährlich fast 30 Millionen Tonnen Stroh an. Das Potenzial dieser Ressource im Energiemix wurde bislang unterschätzt, legen neue Berechnungen von Forschern aus Thüringen und Sachsen nahe. Bei nachhaltiger Nutzung des Strohs könnten demnach bis zu 2,8 Millionen Haushalte mit Strom und gleichzeitig bis zu 4,5 Millionen Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Foto: UFZ/André Künzelmann

„Damit liegt unseres Wissens nach jetzt erstmals eine Studie für ein EU-Land vor, die das Potenzial von Stroh für eine echte nachhaltige Energienutzung aufzeigt“, erklärt Daniela Thrän vom Deutschen Biomasseforschungszentrum und vom Helmholtz-Umweltforschungszentrum in Leipzig. Thrän und Kollegen stellen ihre Resultate im Fachblatt „Applied Energy“ vor.

Die Gruppe ging von einer Strohmasse von 29,8 Millionen Tonnen aus, wie sie im Durchschnitt der Jahre 1999, 2003 und 2007 anfiel. Von dieser Masse zogen die Forscher jenen Anteil ab, der sich nicht mit sinnvollem Aufwand ernten lässt. Zudem berücksichtigten sie, dass ein Teil des Strohs zur Aufrechterhaltung der Humusmasse im Boden auf dem Feld verbleiben muss bzw. für die Tierhaltung genutzt wird. Für die energetische Nutzung stehen demnach 8 bis 13 Megatonnen Stroh zur Verfügung.

Gegenüber der Strom- und Wärmeerzeugung mit fossilen Brennstoffen könnte Stroh den Ausstoß von Treibhausgasen in Form von CO2 im optimalen Fall um gut 90 Prozent senken, schätzen Thrän und Kollegen. Am effektivsten lasse sich das überschüssige Stroh durch Kraft-Wärme-Kopplung nutzen, so die Forscher. „Stroh sollte daher vorrangig in größeren Heizwerken bzw. Heizkraftwerken zum Einsatz gelangen“, erläutert Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, „allerdings muss die Technologieentwicklung für eine umweltfreundliche Nutzung forciert werden.“

Forschung: Christian Weiser und Armin Vetter, Thüringischer Landesanstalt für Landwirtschaft, Dornburg/Saale; Vanessa Zeller, Stefan Majer und Daniela Thrän, Deutsches Biomasseforschungszentrum, und Department Bioenergie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig; und andere

Veröffentlichung Applied Energy, DOI 10.1016/j.apenergy.2013.07.016

WWW:
Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft
Department Bioenergie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Strohpotenziale, Deutsches Biomasseforschungszentrum
Strohfeuer – vom Feld ins Heizwerk

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Mehr Treibhausgase durch Biokraftstoff-Boom

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