Posted in: Pflanzenwelt 17. Oktober 2013 20:00 Weiter lesen →

Forscher zählen Bäume im Amazonasbecken

Blick aus der Luft ein Blätterdach eines Waldes, einzelne Bäume mit verschiedenen Formen und Farben Mit verblüffenden Resultaten kann eine ambitionierte Erhebung des Baumbestands im Amazonasbecken aufwarten. In dem riesigen Areal wachsen demnach etwa 390 Milliarden Bäume, die zu rund 16.000 Arten gehören. Trotz dieser großen Vielfalt machen lediglich 227 dieser Arten die Hälfte aller Bäume aus.

Bild: Copyright Daniel Sabatier

Umgekehrt dürfte es von den seltensten 6.000 Arten jeweils weniger als 1.000 Exemplare geben, schätzen die Forscher um Hans ter Steege vom Naturkundemuseum Leiden und der Universität Utrecht. Allein die geringe Individuenzahl würde nach den üblichen Kriterien eine Aufnahme in die Rote Liste der bedrohten Arten rechtfertigen, schreibt die Gruppe im Magazin „Science“. Dafür müsse man diese besonders seltenen Spezies aber erst einmal finden.

Ter Steege und seine Kollegen benötigten mehrere Jahre, um Daten aus einem Gebiet mit dem 17-Fachen der Fläche Deutschlands zusammenzutragen. Auf 1.170 kleineren Untersuchungsflächen erfassten die Forscher sämtliche Bäume mit einem Brusthöhen-Durchmesser von mindestens 10 Zentimetern. Insgesamt fanden sie 4.962 Spezies aus 131 Familien. Anhand der gemessenen Häufigkeitsverteilung schätzten sie dann mit statistischen Methoden die Gesamtvielfalt der Bäume im Amazonasbecken ab.

Foto zeigt Camp aus Hängematten unter dem grünen Blätterdach eines Waldes

Bild: Copyright Hans ter Steege

Die beiden Arten mit den insgesamt größten Individuenzahlen dürften demnach die Palme Euterpe precatoria und das Balsambaumgewächs Protium altissimum sein. Für beide ergibt sich rechnerisch ein Bestand von 5,2 Milliarden Exemplaren.

„Die Entdeckung, dass Amazonien von lediglich 227 Baumarten dominiert wird, legt den Schluss nahe, dass die biogeochemischen Kreisläufe im größten Tropenwald der Erde von einem winzigen Bruchteil der Gesamtvielfalt getragen werden“, folgern die Wissenschaftler aus 88 Forschungseinrichtungen. Die Ursachen der Hyperdominanz einiger Arten seien unklar. Das beobachtete Ungleichgewicht könnte sich natürlicherweise entwickelt haben, vielleicht spiegle es aber auch eine menschliche Einflussnahme lange vor der Ankunft der Europäer wider.

Forschung: Hans ter Steege, Naturalis Biodiversity Center, Leiden, und Institute of Enviromental Biology, Universiteit Utrecht; Nigel C. A. Pitman, Center for Tropical Conservation, Duke University, Durham, und The Field Museum, Chicago; Florian Wittmann, Abteilung Biogeochemie, Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz; und andere

Veröffentlichung Science, 342, 1243092, DOI 10.1126/science.1243092

WWW:
Amazon Tree Diversity Network, Universität Utrecht
Amazon Plants and Trees
Relative Species Abundance

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