Posted in: Klima, Meeresforschung 24. September 2013 14:10 Weiter lesen →

Schnelle Erwärmung in der Tiefe der Grönlandsee

Die Tiefe der Grönlandsee erwärmt sich etwa zehnmal stärker als die Weltmeere im Mittel. Das berichten deutsche Meeresforscher, die Temperaturmessungen der Jahre 1950 bis 2010 ausgewertet haben. Die Daten stammen aus den Tiefen der Grönlandsee – einem Meeresgebiet, das unmittelbar südlich des Arktischen Ozeans liegt.

Karte_Groenlandsee_AWI Die Grönlandsee ist das nördlichste Tiefseebecken des Nordmeeres und besitzt eine direkte Tiefsee-Verbindung zum Arktischen Ozean. Karte: Alfred-Wegener-Institut

Seit dem Jahr 1993 fahren Ozeanographen des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) regelmäßig mit dem Forschungseisbrecher Polarstern in die Grönlandsee. Zum Expeditionsprogramm der Wissenschaftler gehören stets Temperatur- und Salzgehaltmessungen. Für ihre jetzt veröffentlichte Studie haben die AWI-Forscher diesen Langzeit-Datensatz mit historischen Daten kombiniert, welche bis ins Jahr 1950 zurückreichen. Demnach ist in den letzten 30 Jahren die Wassertemperatur unterhalb von 2000 Metern Tiefe um 0,3 Grad Celsius gestiegen.

„Das hört sich nach wenig an, aber wir müssen die Zahl in Relation zu der großen Masse der erwärmten Wasserschicht sehen“, sagt AWI-Forscherin Raquel Somavilla Cabrillo. Zum Vergleich: Die in der tiefen Grönlandsee zusätzlich gespeicherte Energie würde einer Erwärmung der Atmosphäre von Europa um 4 Grad Celsius entsprechen. „Die Grönlandsee macht zwar nur einen kleinen Teil des Ozeans aus. Aber mit einer Erhöhung um 0,3 Grad haben wir in der tiefen Grönlandsee eine zehnmal schnellere Erwärmung als im Mittel im Weltozean. Allerdings müssen wir berücksichtigen, dass besonders in der Tiefsee große Gebiete bisher wenig untersucht sind.“

Temperaturanstieg_Groenlandsee_AWI Anstieg der Tiefen-Wassertemperatur in der Grönlandsee. Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Als Ursache der Erwärmung wird das veränderte Zusammenspiel zwischen dem absinkenden, sehr kalten Oberflächenwasser und dem einströmenden relativ warmen Tiefenwasser aus der Arktis vermutet. Bis zum Jahr 1980 standen beide Prozesse offenbar im Gleichgewicht. Seit Anfang der 1980er Jahre aber werde der warme Einstrom aus der Arktis nicht mehr durch tiefreichende Abkühlung in der Grönlandsee kompensiert, sagt Somavilla: „Früher hat der Ozean östlich von Grönland im Winter so viel Wärme an die Luft abgegeben, dass die Wassersäule durch das sehr kalte Wasser an der Oberfläche instabil und häufig bis zum Boden durchmischt wurde.“ Diese Abkühlung des tiefen Ozeans habe jedoch in den vergangenen dreißig Jahren nicht mehr stattgefunden. Das relativ warme Tiefenwasser aus dem Arktischen Ozean dagegen ströme weiterhin in das grönländische Tiefseebecken.

„Die tiefen Ozeane bilden durch ihr großes Volumen und durch ihre große Trägheit im Austausch mit der Atmosphäre mächtige Puffer für die Klimaerwärmung“, erklärt AWI-Forscherin Ursula Schauer; „besonders die Tiefsee der Polargebiete ist aber wenig untersucht. Wenn wir verstehen wollen, welche Rolle der tiefe Ozean im Klimasystem spielt, müssen wir die Messungen auch in anderen, schwer zugänglichen Gebieten wie der Arktis verbessern.“

Forschung: R. Somavilla, U. Schauer, G. Budéus, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI); in „Geophysical Research Letters“, Vol. 40, pp 4361–4366, doi:10.1002/grl.50775, 2013

WWW:
Abstract in den „Geophysical Research Letters“
Klimaforschung am Alfred-Wegener-Institut

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