Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 9. September 2013 14:00 Weiter lesen →

Buckelwale überwintern in der Antarktis

Buckelwale halten sich nicht nur in den Sommermonaten, sondern das ganze Jahr über in der Antarktis auf. Entsprechende Daten liefern Unterwassermikrofone, die Bremerhavener Forscher unter dem Schelfeis installiert haben. Zumindest einige Tiere sind demnach auch im Winter und selbst zu Zeiten der stärksten Eisbedeckung im Südpolarmeer anzutreffen.

Luftaufnahme zeigt Buckelwal, eine Blaswolke ausstoßend, im blaugrauen Meer mit einigen weißen Eisschollen Ein Buckelwal an der antarktischen Packeisgrenze im Januar 2013. Foto: ITAW/Carsten Rocholl

Das neue Wissen unterstreiche die Bedeutung des Südpolarmeeres als Lebensraum für Buckelwale, erklärt Ilse van Opzeeland vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. „Gerade vor dem Hintergrund der Diskussion um Meeresschutzgebiete zeigen unsere Ergebnisse, dass nicht nur die bekannten Futtergründe in der Region um 60 Grad Süd für die Buckelwale wichtig sind, sondern auch die Gewässer weiter südlich“, so die Meeresbiologin. „Die Tiere kommen in diesen Gebieten fast das ganze Jahr über vor.“

Buckelwale (Megaptera novaeangliae) gehören zu den Bartenwalen und sind für ihre vielfältigen und kunstvoll anmutenden Gesänge bekannt. Ebendiesen Gesängen spürten van Opzeeland und Kollegen in den Tonaufzeichnungen des PALAOA-Observatoriums nach. Das Observatorium liegt in der Nähe der Polarstation Neumayer III bei etwa 70 Grad südlicher Breite.

Foto zeigt hellgrauen Messcontainer mit Antennen im Schnee vor blauem Himmel mit weißen Wolken Das Perennial Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean, PALAOA, zeichnet kontinuierlich die Unterwassergeräuschkulisse nahe der Schelfeiskante auf. Foto: Thomas Steuer, Alfred-Wegener-Institut

Verblüffenderweise waren Gesänge von Buckelwalen im Jahr 2008 in 9 Monaten und im Jahr 2009 sogar in 11 Monaten im Umkreis von 100 Kilometern um das Observatorium zu hören, berichtet die Forschergruppe im Fachblatt „PLoS ONE“. „Demzufolge ist es sehr wahrscheinlich, dass in beiden Jahren Buckelwale im östlichen Weddellmeer überwintert haben“, folgert van Opzeeland.

Möglicherweise nutzen die Wale ein eisfreies Gebiet, eine Polynja, das im Winter regelmäßig im Meer in der Nähe des Observatoriums entsteht. Beobachtungen im Nordpazifik vor Alaska lassen vermuten, dass es sich bei den Überwinterern hauptsächlich um junge Walkühe handelt, die noch nicht trächtig sind. Diese Weibchen müssen nicht die warmen Küstengewässer Afrikas aufsuchen, um dort Nachwuchs zur Welt zu bringen. Und da sie im Weddellmeer vermutlich auch im Winter genügend Nahrung finden, sparen sie sich die kräftezehrende Reise über mehrere Tausend Kilometer.

Forschung: Ilse van Opzeeland, Lars Kindermann, Elke Burkhardt und Olaf Boebel, Arbeitsgruppe Ozeanische Akustik, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; Sofie Van Parijs, NOAA Northeast Fisheries Science Center, Woods Hole

Veröffentlichung PLoS ONE, 8(9): e73007, DOI 10.1371/journal.pone.0073007

WWW:
PALAOA, AWI Bremerhaven
Livestream aus dem Südpolarmeer
Passive Acoustics Group, Northeast Fisheries Science Center
Buckelwal
Antarctic Polynyas: Nature’s Sea Ice Factories

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wal-Pop
Rätsel um Antarktis-Loch gelüftet

Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.