Posted in: Tierwelt 3. September 2013 16:45 Weiter lesen →

Heimliche Fledermaus-Vielfalt

Foto zeigt Fluss mit braunem Wasser, der sich durch ein dichtes grünes Waldmeer windet Gleich 5 neue Arten von Fledermäusen haben tschechische und englische Forscherinnen im Senegal entdeckt. Die Neulinge sind rein äußerlich kaum von bekannten Arten in anderen Regionen Afrikas zu unterscheiden. In ihrem Erbgut finden sich jedoch Unterschiede in einem Maß, das weit über die übliche Variationsbreite innerhalb einer Spezies hinausgeht.

Der Gambia im Niokolo-Koba-Nationalpark. Foto: US Geological Survey

„Diese aufregende Entdeckung bestätigt die Ansicht, dass Westafrika einen bislang unterschätzten biogeografischen Brennpunkt darstellt und dass es dort noch viele weitere Spezies zu entdecken gibt“, erklärt Nancy Irwin von der Universität im englischen York. Die Gruppe um Irwin und ihre Kollegin Darina Koubínová von der Karls-Universität Prag stellt ihre Resultate im Fachblatt „Frontiers in Zoology“ vor.

Die Forscherinnen untersuchten 231 Fledermäuse aus der großen Familie der Glattnasen, die sie bei mehreren Expeditionen in den Senegal gefangen hatten. Überwiegend aus dem Nationalpark Niokolo-Koba stammend, ließen sich die Tiere anhand ihres Körperbaus 10 bekannten Spezies zuordnen. Als die Forscherinnen jedoch die Sequenzen von 8 Genen bestimmten und zudem die Chromosomen im Zellkern betrachteten, änderte sich das Bild.

Bei 5 Spezies unterscheiden sich die DNA-Sequenzen der senegalesischen Fledermäuse um bis zu 13 Prozent von den Sequenzen vermeintlicher Artgenossen in Kenia, Tansania und Südafrika. Die typische Variationsbreite innerhalb einer Art beträgt dagegen weniger als 2 Prozent. Fehlende bzw. zusätzliche Chromosomen und Abweichungen in der Form mancher Chromosomen bekräftigten den Verdacht, dass sich die Tiere im Senegal weit von ihren vormaligen Artgenossen entfernt haben.

Nach Ansicht Irwins sprechen die neuen Resultate für die Vermutung, „dass Westafrika in der Vergangenheit isoliert war und ein Refugium darstellte“. Vom genetischen Austausch mit Populationen in anderen Regionen abgeschnitten, hätten die Fledermäuse im Senegal daher eine unabhängige Entwicklung hin zu eigenständigen Spezies durchlaufen können.

Forschung: Darina Koubínová und Pavel Hulva, Katedra zoologie, Univerzita Karlova v Praze; Nancy Irwin, Biology Department, University of York; Petr Koubek und Jan Zima, Ústav biologie obratlovců, Akademie věd České republiky, Brünn

Veröffentlichung Frontiers in Zoology, 10:48, DOI 10.1186/1742-9994-10-48

WWW:
Biodiversity Research Group, Karls-Universität Prag
Biology Department, University of York
Institut für Wirbeltierbiologie, Tschechische Akademie der Wissenschaften
Niokolo-Koba National Park
Glattnasen
Heimische Glattnasen

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
1 Jahr, 19.000 neue Arten
Im Wald der Fledermäuse

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