Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 15. August 2013 17:00 Weiter lesen →

Neues Raubtier identifiziert

Foto zeigt Olinguito mit orange-braunem Fell im Geäst eines Baums Mit so charismatischen Vertretern wie Wölfen und Tigern stellen die Raubtiere eine nur kleine und gut untersuchte Tiergruppe. Umso bemerkenswerter ist die Beschreibung einer neuen Raubtierart durch nord- und südamerikanische Forscher. Im Zuge jahrelanger Arbeit in Museen gelang es ihnen, einen weiteren Makibären zu identifizieren – und schließlich auch in der freien Wildbahn aufzuspüren.

Foto: Mark Gurney

Die Beschreibung des Olinguito (Bassaricyon neblina) belege einmal mehr, dass die Natur längst nicht vollständig erforscht sei, erklärt Kristofer Helgen vom Smithsonian-Museum für Naturgeschichte in Washington. „Wenn es noch immer neue Raubtiere zu entdecken gibt, welche anderen Überraschungen erwarten uns dann noch?“

Makibären oder Olingos sind in Südamerika heimisch und erinnern an eine Mischung aus Katze und Teddybär. Die Baumbewohner fressen überwiegend Früchte und nur gelegentlich Insekten oder kleine Wirbeltiere.

Helgen und seine Kollegen stießen eher zufällig auf den neuen Vertreter, als sie die gesamte Gattung mit bis dato 5 beschriebenen Arten einer gründlichen Revision unterzogen. Zur Verblüffung der Forscher offenbarte die Untersuchung fast aller weltweit vorhandenen Museumsexemplare im Verein mit DNA-Tests die Existenz einer 6. Spezies, die zwar vielfach ausgestellt und sogar in Zoos gehalten worden war, jedoch nie als eigenständige Art erkannt worden war.

Foto zeigt Olinguito mit orange-braunem Fell im Geäst eines Baums

Foto: Mark Gurney

Der „kleine Olingo“ unterscheidet sich rein äußerlich von seinen Verwandten, da er mit einer Körpermasse von 1 Kilogramm etwas schlanker gebaut ist und ein längeres, dichteres Fell besitzt. Die Daten zu den Museumsexemplaren zeigten zudem, dass er an den Hängen der nördlichen Anden in Höhen von bis zu 3.000 Metern lebt, während die übrigen Makibären typischerweise nicht über 2.000 Meter vorkommen. Gemeinsam mit mehreren Kollegen organisierte Helgen schließlich eine Expedition, bei der sie den Neuling in seinem natürlichen Lebensraum der Nebelwälder beobachten konnten.

„Die Nebelwälder der Anden sind eine Welt für sich und bergen eine Vielzahl von Spezies, die nirgends sonst vorkommen und von denen viele in ihrem Fortbestand bedroht oder akut gefährdet sind“, so Helgen weiter. Auch der Olinguito sehe einer ungewissen Zukunft entgegen, da bereits heute fast die Hälfte seines Lebensraums in landwirtschaftliche oder Siedlungsflächen umgewandelt worden sei. „Wir hoffen, dass der Olinguito als Botschafter-Spezies für die Nebelwälder Ecuadors und Boliviens fungieren und die weltweite Aufmerksamkeit auf diesen extrem wichtigen Lebensraum lenken kann.“

Forschung: Kristofer M. Helgen, Department of Vertebrate Zoology, National Museum of Natural History, Smithsonian Institution, Washington; C. Miguel Pinto, Centro de Investigación en Enfermedades Infecciosas, Pontificia Universidad Católica del Ecuador, Quito; Roland Kays, Nature Research Center, North Carolina Museum of Natural Sciences, Raleigh; und andere

Veröffentlichung ZooKeys 324: 1, DOI 10.3897/zookeys.324.5827

WWW:
Kristofer Helgen, Smithsonian National Museum of Natural History
Makibären
Biodiversity Hotspots: Tropical Andes

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neue Arten aus dem Nebelwald

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