Posted in: Klima, Meeresforschung 13. Juni 2013 20:00 Weiter lesen →

Antarktisches Schelfeis schmilzt dahin

Foto zeigt Menschen als winzige dunkle Punkte, an einer hohen Klippe aus Eis stehend Wenn große Stücke aus dem eisigen Saum der Antarktis herausbrechen, bietet sich ein spektakulärer Anblick. Mindestens ebenso wichtig sind jedoch im Verborgenen ablaufende Vorgänge, haben amerikanische Forscher ermittelt. Mehr als die Hälfte des Massenverlusts erfolgt demnach still und leise, indem das Eis an der Unterseite der Schelfeisdecke schmilzt.

Foto: Michael Van Woert, NOAA NESDIS, ORA

Bislang sei man davon ausgegangen, dass das basale Abschmelzen höchstens ein Viertel des Schelfeisverlusts ausmache, schreiben Eric Rignot von der Universität von Kalifornien in Irvine und seine Kollegen im Magazin „Science“. Die neuen Resultate offenbarten nun die kritische Bedeutung steigender Meerestemperaturen, so der Forscher: „Das Südpolarmeer wird damit zum wichtigsten Faktor für die künftige Entwicklung der Eisschelfe.“

Gut drei Viertel der Küste des antarktischen Kontinents ist nicht direkt vom offenen Wasser umspült. Vielmehr bildet vom Land ins Meer fließendes und schließlich darauf aufschwimmendes Eis große Schelfeisdecken mit einer Gesamtfläche von über 1,5 Millionen Quadratkilometern – mehr als das Vierfache der Fläche Deutschlands. Rignot und Kollegen kombinierten nun Computermodelle und Satellitenbeobachtungen, um mehr über Wachsen und Vergehen der schwimmenden Eisdecke zu erfahren.

Die Forscher nutzten ein Atmosphären- und Klimamodell, um den oberflächlichen Massezuwachs durch Schneefall und umgekehrt den Verlust durch Wind und Sublimation abzuschätzen. Anhand von Satellitenmessungen bestimmten sie den Zustrom von Festlandeis, die Dicke der Schelfeisdecke und die Verlagerung der Eismassen darin. Als Differenz dieser verschiedenen Ein- und Austräge erhielten sie die Rate, mit der die Schelfeisdecke an ihrer Unterseite schmilzt oder aber durch gefrierendes Meerwasser wächst.

Für die gesamte Schelfeisdecke der Antarktis ergeben sich demnach Gewinne durch nachströmendes Eis und Schneefall in Höhe von jährlich 1.696 bzw. 430 Gigatonnen (Milliarden Tonnen). Dem gegenüber stehen Verluste durch kalbende Eisberge und basales Schmelzen in Höhe von 1.089 bzw. 1.325 Gigatonnen. Die Schmelzwasserbildung macht also 55 Prozent des gesamten Eisverlusts aus.

Auf regionaler Ebene gibt es allerdings starke Variationen, ermittelten die Forscher: So tragen die Ross-, Fichner- und Ronne-Eisschelfe, die allein zwei Drittel der Schelfeisfläche ausmachen und sich dank ihrer Größe möglicherweise ihre eigene „kühle Nische“ schaffen können, nur ein Sechstel zur gesamten Schmelzwasserbildung bei. Umgekehrt geht die Hälfte des Schmelzverlusts auf eine Reihe kleiner ostpazifischer Schelfe mit zusammen nur 8 Prozent der Gesamtfläche zurück.

„Eine fortgesetzte Meereserwärmung wird auch die Ausdünnung des Schelfeises allmählich beschleunigen“, folgern Rignot und Kollegen. Allerdings sei es vorstellbar, dass mit einem Wechsel der Eisbedeckung und der Strömungsverhältnisse wärmeres Wasser stärker unter die großen Schelfeisdecken vordringen könne. In diesem Fall „könnte sich die Massenbilanz des Schelfeises und des Eisschilds erheblich verändern“, so die Forscher.

Forschung: Eric Rignot, Department of Earth System Science, University of California, Irvine, und Jet Propulsion Laboratory, Pasadena; Stanley Jacobs, Lamont-Doherty Earth Observatory, Columbia University, Palisades; und andere

Veröffentlichung Science, 13. Juni 2013, DOI 10.1126/science.1235789

WWW:
Rignot Research Group, UC Irvine
Ice Shelves
Massenbilanz (Glaziologie)
Mosaic of Antarctica

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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Riesiger Eisberg lässt Federn

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2 Kommentare zu "Antarktisches Schelfeis schmilzt dahin"

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  1. Mike sagt:

    Wortabwechslung im Sinne des Schreibstils in allen Ehren, aber könntet ihr bitte zugewinn und abfluss in gleichen Einheiten darstellen?

    Momentan muss ich davon ausgehen dass Tausendmal mehr abfliesst als nachkommt?

    • Meinke sagt:

      Danke für den Kommentar! „Giga“ steht für „Milliarde“. Ich hatte eine Klammer sparen wollen, reiche sie nun gern nach. 🙂