Posted in: Landwirtschaft, Tierwelt 10. Juni 2013 16:08 Weiter lesen →

Entwarnung: Asiatischer Marienkäfer wird keine Plage

Der Asiatischer Marienkäfer hat sich seit rund zehn Jahren in Deutschland invasiv ausgebreitet. Lange Zeit schien es so, als könne er heimische Marienkäfer verdrängen und in der Landwirtschaft Schaden anrichten. Neue Studien entkräften diese Befürchtungen.

Weinbauern führten den Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) vor rund 30 Jahren als Nützling in Süd-Frankreich ein, nachdem der Käfer zuvor schon in den USA erfolgreich in der Landwirtschaft Blattläuse bekämpfte. Er ist robuster als europäische Artgenossen und vertilgt mehr Schädlinge wie Blutlaus, Mehlige Apfelblattlaus oder Hopfenlaus.

portrait of asian ladybird from above Asiatischer Marienkäfer. Foto: Michael Tieck /Fotolia.de

Im Laufe der Zeit hielt es den kleinen Helfer aber nicht auf französischen Weingütern. Er breitete sich in großen Teilen Europas aus und machte seit 2002 auch in Deutschland durch seine Massenvermehrungen Schlagzeilen. Der Einwanderer hat mehr Nachwuchs und ist widerstandsfähiger gegen Krankheitserreger als heimische Marienkäfer.

Zudem versetzte die neue Art Weinbauern in Unruhe, nachdem schlechte Nachrichten aus den USA die Runde machten: Der Käfer beeinträchtigt den Weingeschmack, wenn er mit der Traubenlese eingesammelt wird und in die Maischegärung gerät. Ein einziger Asiatischer Marienkäfer sollte genügen, um hundert bis tausend Liter Wein zu ruinieren, so die Berichte.

Das zum Julius Kühn-Institut (JKI) gehörende Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau gibt jetzt Entwarnung. Demnach liegt die geschmacklich erkennbare Schwelle im Wein bei mindestens vier bis fünf Käfern pro Kilogramm Trauben. Über die richtige Verarbeitung der Früchte können die Winzer zudem den sogenannten Marienkäferton im Wein vermindern. Der bisher im deutschen Weinbau dominante Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) scheint sogar einen intensiveren Fehlton im Wein zu verursachen.

Der Asiatische Marienkäfer „stellt durchaus ein Gefährdungspotenzial für den deutschen Weinbau dar“, schreibt Susanne Kögel in ihrer Dissertation am JKI. Er spiele eine Doppelrolle als Nützling und Schädling zugleich, so die Bilanz des JKI, wobei er als Schädling aber bisher kaum in Erscheinung getreten sei.

Auch die Verdrängung heimischer Arten findet offenbar nicht statt. Zwar ergaben die Untersuchungen des JKI während der letzten drei Jahre, dass Harmonia axyridis in Wein- und Obstanlagen die am häufigsten gefundene Marienkäferart war. Bei allen Freilanduntersuchungen konnten aber keine Anzeichen für eine Ausrottung heimischer Marienkäfer festgestellt werden.

Der heimische Siebenpunkt-Marienkäfer sei in seiner natürlichen Umgebung sehr konkurrenzstark, sagen die Forscher. Er war in ihren Untersuchungen stets die zweithäufigste Art und ist in 2013 oft häufiger anzutreffen als der asiatische Konkurrent. Und der Siebenpunkt schlägt offenbar mit gleichen Methoden zurück: Er hat sich in Nord-Amerika ausgebreitet und stellt dort seinerseits eine invasive Art dar.

Forschung: Susanne Kögel u.a., Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau / Julius Kühn-Institut

WWW:
Asiatischer Marienkäfer (Wikipedia)
Risikoabschätzung zum Asiatischen Marienkäfer, Dissertation von Susanne Kögel

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