Posted in: Tierwelt 7. Juni 2013 14:15 Weiter lesen →

Hula-Frosch überlebte im Verborgenen

Seit 1995 wurde kein Exemplar mehr gesehen, jetzt ist er wieder da: Der israelische Hula-Frosch (Latonia nigriventer) galt schon als ausgestorben. Jetzt berichten Forscher, erstmals wieder mehrere Exemplare nachgewiesen zu haben. Sie ordnen die Art einer Gattung von fossilen Riesenfröschen zu, die in den letzten zehn Millionen Jahren ganz Europa besiedelte.

Der Lebensraums des seltenen Frosches ging weitgehend durch die Intensivierung der Landwirtschaft verloren. Die Art wurde 1996 als eine der ersten Amphibienarten offiziell als ausgestorben deklariert. Damit stand der Hula-Frosch am Beginn eines traurigen Trends: Eine wachsende Zahl von Amphibien ist bedroht, über 30 Arten starben in den vergangenen Jahrzehnten aus. Viele Forscher sprechen bereits von dem Beginn einer Ära des Massen-Aussterbens dieser Tiergruppe.

Hula-Frosch_300 Ein einzigartiges Merkmal des Hula-Frosches ist seine auffällige schwarze Bauchseite mit weißen Punkten. Foto: Frank Glaw/TU Braunschweig

Dem Hula-Frosch kam offenbar zugute, dass man Teile seines ursprünglichen Lebensraumes in Israel in langjährigen Maßnahmen wiederherstellte. Nahe der Grenze zu Syrien und dem Libanon wurde ein Schutzgebiet wiederbewässert – und genau dort entdeckten Forscher die verschollenen Tiere.

„Diese Wiederentdeckung hat Biologen auf der ganzen Welt begeistert, denn es zeigt, dass sich Naturschutz selbst in scheinbar hoffnungslosen Fällen auszahlen kann“, sagt der an der Studie beteiligte Amphibienspezialist und Evolutionsbiologe Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig.

Durch die neuen Funde wurde erstmals eine nähere wissenschaftliche Betrachtung dieser rätselhaften Tierart möglich, denn bis dahin waren überhaupt nur drei Exemplare jemals gefangen worden. Der Hula-Frosch unterscheidet sich offenbar deutlich von seinen vermuteten westeuropäischen und nordafrikanischen Verwandten, den sogenannten Scheibenzünglern. Der stattliche, bis zu neun Zentimeter große Frosch ist wohl eher einer Gattung von fossilen Riesenfröschen zuzuordnen, die in den letzten zehn Millionen Jahren ganz Europa besiedelte.

Die Paläontologin Rebecca Biton von der Universität Jerusalem untersuchte die Skelette des Hula-Frosches gemeinsam mit ihren französischen Kollegen Salvador Bailon und Renaud Boistel und verglich sie mit Jahrmillionen alten Fossilien aus ganz Europa. „Es war faszinierend zu entdecken, dass der Hula-Frosch in einer ganzen Reihe von Merkmalen genau mit diesen Fossilien der Latonia-Riesenfrösche übereinstimmt und somit eindeutig zu dieser Gattung gehört.“

Dass es sich bei dem Hula-Frosch um ein uraltes lebendes Fossil handelt, wird auch durch molekulargenetische Daten gestützt, die Vences von der TU Braunschweig auswertete: „Angesichts der großen genetischen Unterschiede ist es klar, dass sich der Hula Frosch vor mindestens 19 Millionen Jahren von seinen nächsten heute lebenden Verwandten getrennt hat“.

Sarig Gafny von der israelischen Ruppin Universität hofft: „Vielleicht kann dieser israelische Frosch zum Trendsetter werden – möglicherweise haben auch Amphibien in anderen Winkeln der Erde überlebt, die wir bereits als ausgestorben ansehen“.

„Eine Wiederbewässerung von größeren Teilen des Hula-Tales wäre eine wichtige Maßnahme, um die Population dieser und anderer seltener Arten zu schützen“, sagt Eli Geffen von der Universität Tel Aviv, der die Arbeiten über den Hula-Frosch koordiniert.

Forschung: R. Biton, Eli Geffen, Miguel Vences, u.a.; Veröffentlichung in „Nature Communications“, 4.6.2013, doi 10.1038/ncomms2959

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Veröffentlichung in „Nature Communications“

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