Posted in: Land 3. Juni 2013 18:32 Weiter lesen →

Sahara-Grundwasser wird neugebildet

Panoramablick über das Sandmeer der Sahara, Düne mit Karawane, Fußstapfen, weiter Himmel Unter dem Sand der Sahara lagern immense Mengen von Grundwasser. Zumindest ein Teil dieses Wassers ist weniger „fossil“ als bislang angenommen, lassen Untersuchungen französischer und tunesischer Forscher vermuten. Pro Jahr strömen demnach durchschnittlich 1,4 Kubikkilometer neuen Wassers in die Grundwasserleiter im Nordwesten der Sahara.

Foto: IRD/V. Simonneaux

Dieses Resultat spreche gegen die verbreitete Ansicht, in dem Gebiet erfolge eine nur geringe oder gar keine Neubildung von Grundwasser, so die Forscher um Julio Gonçalvès vom Geo- und Umweltforschungszentrum CEREGE in Aix-en-Provence. Gleichwohl reiche die Neubildung bei Weitem nicht aus, um die jährliche Entnahme von derzeit etwa 2,5 Kubikkilometern zu kompensieren, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Das Grundwasserleiter-System der nordwestlichen Sahara erstreckt sich über eine Fläche von etwa 1 Million Quadratkilometern in Algerien, Tunesien und Libyen. Jüngeren Schätzungen zufolge, birgt es in verschiedenen Tiefen insgesamt fast 1.300 Kubikkilometer Wasser. Dieses Reservoir lässt natürliche Oasen erblühen und wird seit den 60er-Jahren nach Kräften durch Brunnenbohrungen angezapft. Dem so ermöglichten Aufschwung in Landwirtschaft und Industrie stehen allerdings Folgen wie Versalzung und Versiegen einzelner Quellen gegenüber.

Gonçalvès und Kollegen nutzten Daten des amerikanisch-deutschen Satellitenprojekts GRACE, um mehr über die Neubildung des Grundwassers zu erfahren. Die beiden Satelliten vermessen laufend das Schwerefeld der Erde und ermöglichen so Rückschlüsse über die Konzentration und Verlagerung größerer Massen – etwa im Zuge des jährlichen Amazonas-Hochwassers oder der Beschleunigung der grönländischen Gletscher. Diese Daten kombinierten die Forscher mit Schätzungen der Wasserentnahme sowie Messungen des Grundwasserspiegels vor Ort.

Insgesamt findet eine unerwartet starke, wenn auch sehr variable Neubildung von Grundwasser statt, ermittelten die Wissenschaftler. Im Zeitraum 2003 bis 2010 schwankte der Wert zwischen 0 und 4,4 Kubikkilometern pro Jahr und spiegelte relativ gut die Niederschlagsmengen des Vorjahres wider. Die neuen Daten legten die Basis für eine dauerhaft tragfähige Nutzung des Grundwassers, so Gonçalvès und Kollegen. Ein schonender Umgang mit der kostbaren Ressource sei umso dringender geboten, als für die kommenden Jahrzehnte ein beträchtlicher Bevölkerungszuwachs in der Region erwartet werde.

Forschung: Julio Gonçalvès und Pierre Deschamps, Centre Européen de Recherche et d’Enseignement des Géosciences de l’Environnement (CEREGE), CNRS/Université Aix-Marseille III, Aix-en-Provence; Mouhamadou Ould Babasy, Observatoire du Sahara et du Sahel, Tunis; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, DOI 10.1002/grl.50478

WWW:
Institut CEREGE
Observatoire du Sahara et du Sahel
Projet GeoAquifer
Gravity Recovery and Climate Experiment (GRACE)
The North-West Sahara Aquifer System

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