Posted in: Klima 10. Mai 2013 12:24 Weiter lesen →

Grönlandeis lässt Meeresspiegel um bis zu 8 cm steigen

Das grönländische Eis wird jährlich weniger und fließt über Eisströme schneller ab. So gelangt mehr Eismasse ins Meer, wodurch sich der Meeresspiegel erhöht. Der Anstieg dürfte aber nach neuen Berechnungen geringer ausfallen, als frühere Schätzungen vermuten ließen. Europäische Wissenschaftler gehen jetzt von einem Anstieg der Meeresspiegel um vier bis acht Zentimeter bis zum Jahr 2100 aus.

Das Forscherteam simulierte das Verhalten der vier größten grönländischen Gletscher, die für rund einen Fünftel des Eisabflusses verantwortlich sind. Allein diese vier Gletscher sollen jährlich 30 bis 50 Gigatonnen (bis zu 50 Kubikkilometer) Eisverlust verursachen. Das entspricht etwa der Hälfte des Wassers im Genfersee.

Kalbung_Groenland_Gletscher_300 Eisstrom in Grönland. Foto: Dirk van As, GEUS

„Unsere Werte für den dynamischen Massenverlust liegen tiefer als frühere Schätzungen von etwa zehn Zentimeter, die basierend auf heutigen Trends berechnet worden sind. Sie zeigen aber, dass die dynamischen Effekte nicht zu vernachlässigen sind“, sagt der am Projekt beteiligte Geograf Andreas Vieli von der Universität Zürich.

Schnell fließende Gletscher liefern grönländisches Inlandeis durch enge und tief eingeschnittene Fjorde direkt ins Meer. Wenn sie dort abbrechen, entstehen Eisberge. Durch die sogenannte Eisbergkalbung beschleunigt sich das Fließtempo eines Eisstroms. Im Fließverhalten der Eisströme kommt es aber offenbar zu starken Schwankungen. Dies sei durch Variationen in der Gletscherbetttiefe und -breite zu erklären, schreiben die Forscher im Magazin „Nature“.

„Auffallend ist, dass über längere Zeiträume der dynamische Massenverlust gegen oben klar begrenzt zu sein scheint“, sagt Vieli. Demnach können Eisströme nicht fortgehend schneller fließen; die heutigen kurzzeitigen Beschleunigungstrends sollten nach Meinung der Forscher also nicht in die Zukunft extrapoliert werden. „Die bei Eisströmen involvierten Prozesse, wie beispielsweise das Abbrechen von Eisbergen, sind sehr komplex und unser Verständnis davon noch immer beschränkt“, räumt Vieli ein.

Forschung: Faezeh M. Nick, Andreas Vieli, Morten Langer Andersen, Ian Joughin, Antony Payne, Tamsin L. Edwards, Frank Pattyn, Roderik S. W. van deWal; veröffentlicht in Nature 497, pp 235–238, 9.5.2013, Doi: 10.1038/nature12068

WWW:
Abstract in „Nature“
Geographisches Institut der Universität Zürich

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3 Kommentare zu "Grönlandeis lässt Meeresspiegel um bis zu 8 cm steigen"

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  1. McDaniel-77 sagt:

    30-50 Gigatonnen pro Jahr!!! Gigantisch, dann dauert es nur noch 200 Jahre und der Meeresspiegel steigt um 1 cm. Panik !!!

    McDaniel-77

    • facepalm sagt:

      McDaniel, kein Sorge, zu den direkt ins Meer terminierenden Gletschern aus Grönland kommen noch die Eisschmelze auf Grönland, der Antarktis und dort vor allem der Westantarktis, den weltweit im Rückzug befindlichen Gletschern uvm. hinzu.

      Zwar immer noch kein Grund zur Panik, aber ein tzriftiger Grund mehr die Freisetzung von Treibhausgasen weltweit so schnell wie möglich zu verringern.

  2. facepalm sagt:

    Seufz. Liest die Redaktion auch das Abstract, bevor sie dazu schreibt?

    Es geht „nur“ um den Beitrag der schnell fließenden Gletscher Grönlands mittels direktem Eisabfluss – die weiteren Erhöhungen des Meerespiegels durch Abschmelzen an der Oberfläche, Randgletscher etc. sind in den 8 cm nicht enthalten!

    So ist der Satz „Europäische Wissenschaftler gehen jetzt von einem Anstieg der Meeresspiegel um vier bis acht Zentimeter bis zum Jahr 2100 aus.“ irreführend und müsste um ein „allein aus den schnellfließenden Auslass-Gletschern“ ergänzt werden