Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 18. März 2013 19:14 Weiter lesen →

Ein Ex-Wal, ein Ökosystem

Foto zeigt weiße, beinahe quadratische Wirbelkörper am ockerfarbenen Meeresgrund Im Leben schon imposant, sind Wale auch nach ihrem Tod für Überraschungen gut. Englische Forscher haben in der antarktischen Tiefsee den mehr als 10 Meter langen Kadaver eines Zwergwals entdeckt. Ihre Videoaufnahmen und Proben zeigen, dass der bis auf die Knochen zersetzte Körper von mindestens 30 Tierarten bewohnt wird – darunter 9 bislang unbekannte Spezies.

Foto: UK Natural Environment Research Council ChEsSo Consortium

„Die größten Tiere unseres Planeten sind auch ein Teil der Ökologie der tiefen Ozeane“, erklärt Diva Amon vom Londoner Museum of Natural History und vom National Oceanography Centre in Southampton. „Nach ihrem Tod dienen sie über viele Jahre als Nahrung und Unterschlupf für zahlreiche Tiefseebewohner.“ Die Untersuchung solcher Walkadaver helfe, den Nährstoffkreislauf in den Meeren und die Verbreitung von Tiefseespezies besser zu verstehen, so die Forscherin.

Amon und ihre Kollegen machten ihre Entdeckung in der Scotia-See zwischen Südamerika und der Antarktis. Mithilfe eines Tauchroboters erkundeten die Forscher das Innere eines großen Kraters, in dem an mehreren Stellen warmes und mineralienreiches Wasser aus dem Untergrund austritt. Kurz vor der Beendigung einer Tauchfahrt zeigten die Kamerabilder des Roboters eine Reihe weißlicher Blöcke am Meeresboden. Diese entpuppten sich schließlich als Wirbelkörper eines Wals, dessen Körper nach dem Tod in eine Tiefe von 1.444 Meter gesunken war.

DNA-Analysen ergaben, dass die Knochen von einem Südlichen Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis) stammen. Trotz der beinahe vollständigen Zersetzung konnten die Forscher an dem Kadaver zahlreiche Schwämme, Seeanemonen, Krebse, Kopffüßer und Schnecken, Fische sowie Vertreter verschiedenster Würmergruppen identifizieren, die entweder die Knochen selbst oder ihren dichten Bakterienbewuchs nutzen. Nicht weniger als 9 dieser Organismen – 3 Schnecken, 2 Krebse und 4 Borstenwürmer – waren bislang unbekannt.

Eine der neuen Schneckenarten, eine Vertreterin der Napfschnecken, fanden Amon und Kollegen auch in der Nähe eines Weißen Rauchers in der Nähe wieder. Laut den Forschern spricht diese Entdeckung für die Hypothese, dass Walkadaver am Meeresgrund als Trittsteine fungieren, über die Organismen von einer untermeerischen Quelle zur nächsten gelangen können.

Forschung: Diva J. Amon, Adrian G. Glover und Jonathan T. Copley, Natural History Museum, London, und Ocean and Earth Science, National Oceanography Centre, University of Southampton; und andere

Veröffentlichung Deep Sea Research II, DOI 10.1016/j.dsr2.2013.01.028

WWW:
Ocean and Earth Science, National Oceanography Centre Southampton
ChEsSo
Whale Fall
RRS James Cook, Cruise Summary Report JC042

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