Posted in: Abfall und Schadstoffe, Meeresforschung 15. März 2013 19:58 Weiter lesen →

Quecksilber-Archiv in Seegras

Unterwasserfoto zeigt Blick über weite, grüne Seegraswiese in türkisblauem Meer Einträge von Quecksilber in die Umwelt sind kein neuzeitliches Phänomen. Das demonstriert Jahrtausende altes Material, das spanische Forscher aus Seegraswiesen im Mittelmeer geborgen haben. Schon vor etwa 2.500 Jahren gelangte über Flüsse und Atmosphäre demnach vermehrt Quecksilber ins Meer – vermutlich eine Folge intensivierten Bergbaus auf der Iberischen Halbinsel.

Foto: Albert Kok via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Beginnend mit der starken Expansion des Römischen Reichs ab dem 2. Jahrhundert vor Christus, war das Seegras mehrfach steigenden und wieder sinkenden Konzentrationen von Quecksilber ausgesetzt, ermittelten die Forscher um Óscar Serrano vom Forschungszentrum CEAB in Blanes. Die neuen Resultate belegten, dass die mitunter uralten Seegraswiesen ein einzigartiges Langzeitarchiv für Schwermetalleinträge in die Umwelt darstellten, folgern die Forscher im Fachblatt „Global Biogeochemical Cycles“.

Serrano und Kollegen sammelten ihre Proben in einer Bucht der Costa Blanca im äußersten Nordosten Spaniens. Das dort am Meeresgrund wachsende Neptungras (Poseidonia oceanica) bildet dichte Matten, unter denen sich im Laufe der Zeit eine mehrere Meter dicke, torfartige Schicht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial angesammelt hat. Dieses Material ist bis zu 4.300 Jahre alt, ermittelten die Forscher per Radiokohlenstoffdatierung.

Die tiefsten und damit ältesten Bereiche des „Seegrastorfs“ enthalten einige Nanogramm (Milliardstel Gramm) Quecksilber pro Gramm Probenmaterial. Dieser Wert steigt vor etwa 2.500 Jahren erstmals merklich an. Die nächsten Ausschläge – und Einbrüche – erfolgen ungefähr parallel zum Aufstieg und Niedergang des Römischen Reichs, zur Weiterentwicklung der Metallurgie und den Pestausbrüchen im späten Mittelalter, zur frühen Neuzeit und schließlich zur Industrialisierung vor etwa 250 Jahren.

Dabei scheint das Neptungras, indem es Quecksilber im Gewebe anreichert, sogar ein besonders empfindliches Archiv der Umweltverschmutzung darzustellen, vermuten Serrano und seine Kollegen. Nicht nur habe die Quecksilberkonzentration teils eine Größenordnung von 100 Nanogramm pro Gramm Material erreicht. Die anhand des Seegrastorfs ermittelte Kurve zeige auch mehr Ausschläge als andere natürliche Archive des Quecksilbereintrags.

Forschung: Óscar Serrano und Miguel Ángel Mateo Mínguez, Centre d’Estudis Avançats de Blanes, Blanes, und Departamento Edafología y Química Agricola, Universidad de Santiago de Compostela; und andere

Veröffentlichung Global Biogeochemical Cycles, DOI 10.1029/2012GB004296

WWW:
Centre d’Estudis Avançats de Blanes
Seegraswiesen
Mercury: Element of the Ancients
Zinnober

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