Posted in: Tierwelt 13. März 2013 01:01 Weiter lesen →

Singvogel keilt aus

Foto zeigt kleinen, schlanken Vogel mit Gefieder in verschiedenen Brauntönen, auf einer Mauer sitzend Auch ein kleiner Singvogel kann handgreiflich werden – zumindest im übertragenen Sinne, haben argentinische und englische Forscherinnen beobachtet. Findet der Stärling fremde Eier in seinem Nest vor, so befördert er diese mit Fußtritten in die Umgebung. Auf diese Weise kann er sich großer und robuster Eier entledigen, die er mit dem Schnabel nicht zu fassen vermag.

Foto: dfaulder via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Ist der Braunkuhstärling erst einmal in Fahrt gekommen, schleudert er meist allerdings auch die eigenen Eier aus dem Nest, fanden María De Mársico von der Universität Buenos Aires und ihre Kolleginnen. Das neue Gelege wird jedoch weniger stark erneut von Brutparasiten heimgesucht, sodass die Altvögel unter dem Strich mit weniger Aufwand mehr eigene Küken durchbringen, berichten die Forscherinnen im Fachblatt „Biology Letters“.

Kuckucke und andere Brutparasiten versuchen, ihren Nachwuchs von fremden Vögeln ausbrüten und großziehen zu lassen. Der südamerikanische Braunkuhstärling (Agelaioides badius) wird von gleich zwei und darüber hinaus nah verwandten Kuhstärlingen (Molothrus rufoaxillaris bzw. bonariensis) auf diese Weise ausgenutzt. Deren Eier sind so groß und hartschalig, dass der Wirt sie weder als Ganzes mit dem Schnabel fassen noch ein Loch hineinpicken kann, um sie aus dem Nest zu werfen. Dennoch landet die fremde Brut regelmäßig außerhalb des Nests.

De Mársico und Kolleginnen rüsteten Nester des Braunkuhstärlings mit kleinen Kameras aus, um mehr über dessen Abwehrmethoden zu erfahren. Zur Verblüffung der Forscherinnen legten die Tiere ein Verhalten an den Tag, das so noch nie bei Singvögeln beobachtet worden ist: Fanden die Altvögel fremde Eier vor, bevor oder nachdem sie selbst mit der Eiablage begonnen hatten, so rannten sie nach vorne gelehnt im Nest auf der Stelle, bis sie sämtliche Eier mit Fußtritten weggeschleudert hatten.

Zwar werden die so geräumten Nester früher oder später erneut von der parasitären Verwandtschaft besucht, beobachteten die Forscherinnen. Durch ihre rabiate Abwehr können die Braunkuhstärlinge die Intensität der Parasitierung jedoch deutlich verringern, nämlich von durchschnittlich 4 Fremd-Eiern auf 1 Fremd-Ei pro Gelege.

Forschung: María C. De Mársico, Cynthia A. Ursino und Juan C. Reboreda, Departamento de Ecología, Genética y Evolución, Universidad de Buenos Aires; Ros Gloag, Department of Zoology, University of Oxford

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2013.0076

WWW:
Laboratorio de Ecología y Comportamiento Animal, Universidad de Buenos Aires
Behavioural Ecology Research Group, University of Oxford
Reserva El Destino
Vögel als Brutschmarotzer
Agelaioides badius

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Rabiate Abfuhr für Kuckucke

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