Posted in: Atmosphäre, Meeresforschung 13. März 2013 19:05 Weiter lesen →

Isländischer Vulkan-Dünger

Foto zeigt schneebedeckten Vulkan, daraus aufsteigend eine große, dichte Wolke in verschiedenen Grautönen Im Jahr 2010 brachte die Ausbruchserie des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull nicht nur die Flugpläne in Nord- und Mitteleuropa durcheinander. Eine internationale Forschergruppe hat ermittelt, dass die Vulkanasche im Nordatlantik wie ein Dünger gewirkt haben dürfte. Indem die Asche ins Meer gelangte, ließ sie demnach die Konzentration des Eisens als wichtigem Nährstoff für Algen steigen.

Foto: Árni Friðriksson via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Direkt unter der Aschewolke stieg die Konzentration des im Wasser gelösten Eisens stellenweise um den Faktor 50, fanden die Forscher um Eric Achterberg vom National Oceanography Centre im englischen Southampton. Insgesamt könnte der vulkanische Dünger die Nahrungsnetze auf einer Fläche von bis zu 570.000 Quadratkilometern beeinflusst haben, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Nach mehreren Jahren vermehrter Erdbeben und Gasaustritte begann im März 2010 eine mehrmonatige Ausbruchsserie des Eyjafjallajökulls. Neben reichlich Lava schleuderte der Vulkan schätzungsweise 140 Millionen Kubikmeter Asche in die Luft, bestehend zu rund einem Zehntel aus Eisenoxiden. Ein Teil dieses Materials wurde in Form von Aschewolken bis in den Mittelmeerraum und nach Zentralasien getragen, sodass im April Flughäfen in mehreren europäischen Ländern geschlossen werden mussten.

Achterberg und Kollegen waren an Bord eines Forschungsschiffs vor Ort, um Messungen vor, während und nach der Eruptionsserie durchzuführen. Besonders interessierten sich die Forscher für die Konzentration gelösten Eisens im Meerwasser, einem für das Wachstum des Phytoplanktons häufig limitierenden Faktor. Tatsächlich enthielt das Wasser zunächst bestenfalls 10 bis 20 Nanogramm (Milliardstel Gramm) Eisen pro Liter. Indem die Vulkanasche ins Wasser gelangte und sich dort zum Teil auflöste, stieg der Wert jedoch auf über 500 Nanogramm pro Liter.

Infolge des Vulkanausbruchs könnte sich die Eisenkonzentration auf einer Fläche entsprechend der Iberischen Halbinsel mindestens verdoppelt haben, schätzen die Forscher anhand eines Computermodells der Aschewolke. Zwar hätten Satellitenbilder kein deutliches „Ergrünen“ des Meeres gezeigt, so die Wissenschaftler. Das Absinken der Konzentration anderer im Wasser gelöster Nährstoffe zeige jedoch, dass das Plankton den vulkanischen Dünger sehr wohl genutzt habe.

Forschung: Eric P. Achterberg und C. Mark Moore, National Oceanography Centre, University of Southampton, Southampton; Andreas Stohl, Norsk institutt for luftforskning, Kjeller; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, DOI 10.1002/grl.50221

WWW:
National Oceanography Centre, Southampton
Eyjafjallajökull Eruption in 2010
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