Posted in: Atmosphäre, Klima 4. März 2013 16:00 Weiter lesen →

Vulkane verschleiern Erderwärmung

Luftaufnahme zeigt schneebedeckten Vulkankegel, darüber eine dichte Rauchsäule Zahlreiche Vulkanausbrüche haben die Erderwärmung im letzten Jahrzehnt gebremst. Entsprechende Resultate liefern aufwendige Modellrechnungen amerikanischer Forscher. Eine Zunahme feiner, das Sonnenlicht reflektierender Schwebeteilchen in der oberen Atmosphäre ist demnach vorwiegend auf den Schwefeldioxidausstoß von Vulkanen zurückzuführen und weniger auf industrielle Emissionen.

Der St. Augustine in Alaska ist zuletzt im Jahr 2006 ausgebrochen. Foto: US Geological Survey

Seit dem Jahr 2000 habe eine dichter werdende Aerosolschicht in der Stratosphäre den Effekt menschgemachter Treibhausgase um etwa ein Viertel verringert, erläutert Ryan Neely von der Universität von Colorado. Indem der Ausstoß vulkanischer Gase wieder sinke, werde die Erwärmung aber erneut an Tempo zulegen, betont Neelys Kollege Brian Toon: „Auf lange Sicht werden solche Eruptionen den Treibhauseffekt nicht neutralisieren.“

Die stratosphärische Aerosolschicht befindet sich in 20 bis 30 Kilometern Höhe und enthält feinste Schwefelsäuretröpfchen. Die optische Dicke dieses Dunstschleiers, ein Maß für sein Reflexions- und Absorptionsvermögen, ist seit Beginn des Jahrtausends um bis zu 10 Prozent pro Jahr gestiegen. Einige Studien hatten die Ursache im wachsenden Schwefeldioxidausstoß Indiens, Chinas und weiterer asiatischer Länder vermutet, andere dagegen in vulkanischen Emissionen.

Neely und Kollegen koppelten ein globales Klimamodell, das die Atmosphäre bis in eine Höhe von mehreren Hundert Kilometern erfasst, mit einem detaillierten Modell der Aerosolphysik zusammen. Bei ihren Berechnungen über einen modellierten 10-Jahres-Zeitraum berücksichtigten die Forscher mal den vulkanischen Schwefeldioxidausstoß und mal die anthropogenen Emissionen aus Asien. Der Vergleich der Resultate ergab, dass die Hauptursache für das Wachstum der Aerosolschicht in den Vulkanausbrüchen liegt, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Dass sich große Vulkanausbrüche merklich auf das irdische Klima auswirkten, sei eine bekannte Tatsache, so Toon weiter. Beispielsweise habe der Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen, bei dem im Jahr 1991 mehrere Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre gelangt seien, die Erde über mehrere Jahre messbar gekühlt. Die neue Studie zeige nun, „dass die Wissenschaft auch kleinere und mittelgroße Vulkanausbrüche stärker berücksichtigen muss, wenn sie die Veränderungen des irdischen Klimas verstehen will“.

Forschung: Ryan R. Neely III. und O. Brian Toon, Department of Atmospheric and Oceanic Sciences, University of Colorado, und NOAA Earth System Research Laboratory, Boulder; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, DOI 10.1002/grl.50263

WWW:
Toon Aerosol Research Group, University of Colorado
Wolken und Partikel
Global Warming

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