Posted in: Tierwelt 16. Januar 2013 01:01 Weiter lesen →

Fledermaus wechselt die Perspektive

Foto zeigt kopfüber hängende Fledermaus mit braunem Fell, eine gelb-grüne Heuschrecke im Maul Fledermäuse besitzen nicht nur ein leistungsfähiges Sonarsystem, sie wissen es auch geschickt zu nutzen. Entsprechende Belege liefern Versuche, die Ulmer Biologinnen in Panama durchgeführt haben. Die von ihnen studierte Fledermaus tastet ein mögliches Ziel systematisch aus verschiedenen Richtungen mit ihren Sonarlauten ab. Auf diese Weise kann sie einen Leckerbissen selbst dann erkennen, wenn dieser völlig regungslos in der Vegetation kauert.

Foto: Christian Ziegler in Santana, Geipel, Dumont et al. (2011), PLoS ONE 6(12): e28584. DOI 10.1371/journal.pone.0028584 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Gerade im dichten Unterwuchs eines Regenwalds hätten Fledermäuse mit störenden Echos ihrer Ortungslaute zu kämpfen, erläutern Inga Geipel und ihre Kolleginnen von der Universität Ulm. In einer solchen Umgebung sei die erfolgreiche Jagd allein mit dem Biosonar für schlicht unmöglich gehalten worden, schreiben die Forscherinnen in den „Proceedings of the Royal Society“. Diese Ansicht müsse nun revidiert werden.

Geipel und Kolleginnen studierten das Verhalten der im tropischen Amerika heimischen Blattnasenfledermaus Micronycteris microtis. Mit Infrarotkamera und Ultraschallmikrofon verfolgen die Forscherinnen, wie die Tiere vor einer Pflanze schwebten und sie mit einer raschen Folge von Sonarlauten eindeckten. Jeder einzelne der Ultraschall-Zwitscherlaute dauerte kaum 0,2 Millisekunden, überstrich in dieser Zeit jedoch ein breites Frequenzband von 140 bis 70 Kilohertz.

Befand sich auf einem Blatt der Pflanze ein Objekt, so bewegten sich die Fledermäuse vor dem Blatt zunächst zur Seite, etwas nach oben und wieder zurück, um dann bis auf wenige Zentimeter an das Blatt heran- und erneut zurückzufliegen. Erst jetzt schlugen die Tiere zu – und zwar ausnahmslos, wenn es sich bei dem Objekt um eine nahrhafte Libelle handelte. Attrappen aus Papier blieben hingegen unangetastet und solche aus Aluminium mussten neben der Körperform auch die typische Aderung des Insektenflügels nachahmen, um nicht sofort als uninteressant eingestuft zu werden.

Allein mit ihrem Sonar und ohne zusätzliche Anhaltspunkte wie Gerüche oder verräterische Geräusche seien die Blattnasen also in der Lage, potenzielle Beute aufzuspüren und zu klassifizieren, folgern Geipel und ihre Kolleginnen. Möglich werde dies durch die Kombination von hochauflösenden Breitband-Sonarlauten und systematischen Perspektivwechseln: Erstere gestatteten ein präzises akustisches Lokalisieren und Abtasten, während letztere den Effekt der Störechos verminderten.

Forschung: Inga Geipel, Kirsten Jung und Elisabeth K. V. Kalko, Institut für Experimentelle Ökologie, Universität Ulm, und Smithsonian Tropical Research Institute, Balboa

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2012.2830

WWW:
Arbeitsgruppe Elisabeth Kalko, Uni Ulm
Micronycteris microtis
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