Posted in: Tierwelt 13. Dezember 2012 20:00 Weiter lesen →

Das (ganz) große Krabbeln

Foto zeigt Frau und Mann mit Insektennetz in einer Metallgondel, an Kranseilen mitten im grünen Baumkronen-Meer hängend Gliederfüßer stellen die mit Abstand artenreichste Tiergruppe. Wie groß die Biodiversität der mehr oder weniger kleinen Krabbler tatsächlich ist, haben Forscher im Rahmen einer aufwändigen Inventur in einem tropischen Regenwald in Panama ermittelt. Auf einer Fläche von knapp einem halben Hektar fanden sie nicht weniger als 6.144 Spezies von Insekten, Spinnen und Milben.

Foto: Jürgen Schmidl, Universität Erlangen-Nürnberg

Rechnet man das Resultat auf das gesamte, rund 6.000 Hektar große Waldgebiet hoch und berücksichtigt sämtliche Untergruppen der Gliederfüßer, so dürfte die Artenzahl bei gut 25.000 liegen, schätzen die Forscher um Yves Basset von der Smithsonian Institution und von der Universität Südböhmen im Magazin „Science“.

„Diese hohe Zahl impliziert, dass auf jede Gefäßpflanzenart, jede Vogelart und jede Säugerart in dem Wald 20, 83 bzw. 312 Arten von Gliederfüßern kommen“, so Basset. Diese Erkenntnis könne bei der Planung von Schutzmaßnahmen helfen: Wenn ein botanisch sehr vielfältiges Gebiet unter Naturschutz gestellt werde, dürften davon stets auch sehr viele Insekten und andere Gliederfüßer profitieren.

Fischaugen-Selbstporträt eines Mannes, in einem Sitz unter einem weißen Ballon im grünen Baumkronenmeer hängend Foto: Maurice Leponce, Royal Belgian Institute of Natural Science

Basset und insgesamt 101 Kollegen aus 21 Ländern führten ihre Studie in einem Waldgebiet am Nordausgang des Panamakanals durch. Auf einem Dutzend Teilflächen von je 400 Quadratmeter Größe sammelten die Forscher am Boden und in den Baumkronen insgesamt knapp 130.000 Vertreter der bedeutendsten Gliederfüßergruppen. In den folgenden Jahren gelang es ihnen, die gesammelten Tiere 6.144 Spezies zuzuordnen.

Der beobachtete Zusammenhang mit der Pflanzenvielfalt gilt für pflanzenfressende Gliederfüßer ebenso wie für räuberische, aasfressende und übrige Vertreter, ergab die statistische Analyse. Dieses Resultat spreche dafür, sich bei Schätzungen der globalen Artenvielfalt auf die Zahl der Pflanzenarten zu stützen, schreiben die Forscher. Ein jüngst veröffentlichter Schätzwert von weltweit rund 6,1 Millionen Gliederfüßerarten „bedarf wohl keiner drastischen Korrekturen“.

Forschung: Yves Basset, Lukáš Čížek und Vojtěch Novotný, Smithsonian Tropical Research Institute und Universidad de Panamá, Panama-Stadt, und Entomologisches Institut, Südböhmische Universität, České Budějovice; Jürgen Schmidl, Department Biologie, Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen; Maurice Leponce, Institut Royal des Sciences Naturelles de Belgique, Brüssel; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 338, 14. Dezember 2012, pp 1481–4, DOI 10.1126/science.1226727

WWW:
Arthropod Monitoring, Smithsonian Tropical Research Institute
Entomologisches Institut, Universität Südböhmen
IBISCA – Diversity and Distribution of Forest Arthropods
Arthropoda

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Klammheimliche Vielfalt
Inventur bei Deutschlands Tierwelt

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