Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 8. November 2012 20:00 Weiter lesen →

Koralle hält sich Gärtner

Nahaufnahme zeigt kleinen, grün-orange getigerten Fisch zwischen zapfenförmigen Korallenausläufern neben fädiger Grünalge Wer am Untergrund festgewachsen ist, kann im Notfall immer noch mobile Helfer zur Stelle rufen. Nach diesem Prinzip verfahren nicht nur viele Pflanzen, sondern auch eine tropische Koralle, haben zwei amerikanische Meeresbiologen entdeckt. Bei Kontakt mit einer giftigen Alge gibt das Blumentier Substanzen an das Meerwasser ab, die korallenbewohnende Fische zum Unkrautjäten animieren.

Foto: Danielle Dixson

„Die Evolution hat diese Fische mit der Fähigkeit versehen, auf die Duftstoffe der Koralle zu reagieren und sich unverzüglich des Problems anzunehmen“, erklärt Mark Hay vom Georgia Institute of Technology in Atlanta. Diese Art des Zusammenlebens erinnere an Akazienbäume, die sich Ameisen als Schutztruppe halten und diese mit Unterkünften und süßem Nektar versorgen.

Im Fall der Steinkoralle Acropora nasuta schützen die tierischen Mitbewohner vor einer besonders durchsetzungsstarken Grünalge (Chlorodesma fastigiata). Kommt die Koralle mit den fadenförmigen Ausläufern der Alge in Kontakt, so wird sie durch darin enthaltene Giftstoffe geschädigt. Hilfe naht in Form kleiner Grundeln, von denen ein Paar in den meisten Acropora-Korallenstöcken lebt, berichten Hay und seine Kollegin Danielle Dixson im Magazin „Science“.

Brachten die Forscher Steinkoralle und Grünalge gezielt in Kontakt miteinander, wurden die korallenbewohnenden Grundeln binnen Minuten aktiv, stutzten die Algenfäden zurecht und verhinderten so massive Gewebeschäden an ihrer Koralle. Eine Grundelart (Gobiodon histrio) biss die Algenfäden nicht nur ab, sondern fraß diese sogar. Auf diese Weise verbesserten die kaum fingerlangen Fische die Wirksamkeit ihres giftigen Hautschleims als Schutzschild gegen Raubfische.

Das Engagement für den Gastgeber ist allerdings nicht die Regel, fanden Dixson und Hay. Versuchsweise wiederholten die beiden Forscher ihre Tests mit Korallenstöcken, die von Riffbarschen bewohnt waren. Im Gegensatz zu den Grundeln räumten sämtliche Riffbarsche das Feld, sobald ihre Koralle durch Kontakt mit den Algenfäden in Schwierigkeiten kam.

Forschung: Danielle L. Dixson und Mark E. Hay, School of Biology und Aquatic Chemical Ecology Center, Georgia Institute of Technology, Atlanta

Veröffentlichung Science, Vol. 338, 9. November 2012, pp 804–7, DOI 10.1126/science.1225748

WWW:
Aquatic Chemical Ecology Center, Georgia Institute of Technology
Acropora nasuta
Seaweed With a Deadly Touch

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ameisen sind zielstrebige Gärtner

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