Posted in: Meeresforschung, Natur- und Umweltschutz 1. Oktober 2012 21:00 Weiter lesen →

Korallenschwund im Großen Barriereriff

Unterwasseraufnahme zeigt stachelige Seesterne in verschiedenen Lila-, Purpur- und Brauntönen auf hellen Korallen Eines der größten und prächtigsten Korallenriffe der Erde, das Große Barriereriff vor Australien, hat in den letzten Jahrzehnten die Hälfte seiner Korallen verloren. Diese Fazit ziehen australische Meeresbiologen nach der Auswertung von mehreren Tausend Einzelerhebungen. Seit Mitte der 80er-Jahre ist der Anteil der von Korallen bewachsenen Fläche demnach von 28 auf knapp 14 Prozent gesunken.

Gefräßige Schönheiten: Massenauftreten von Dornenkronenseesternen setzen Korallenriffen in Pazifik und Indik zu. Foto: Katharina Fabricius, Australian Institute of Marine Science

Verantwortlich für den Rückgang sind Massenauftreten gefräßiger Seesterne, großflächige Korallenbleichen sowie tropische Wirbelstürme, ermittelten Glenn De’ath vom Australischen Institut für Meeresforschung und seine Kollegen. Alle drei Einflussfaktoren hätten, bedingt durch menschliche Aktivitäten, deutlich an Stärke gewonnen, schreiben die Forscher in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Das Große Barriereriff erstreckt sich entlang der Ostküste des australischen Kontinents und bedeckt eine Fläche von rund 350.000 Quadratkilometern – entsprechend der Fläche Deutschlands. De’ath und Kollegen analysierten Daten aus Erhebungen des Riffzustands, bei denen Schnorcheltaucher von Motorbooten durch das Wasser geschleppt werden. Seit 1985 sind auf diese Weise 214 der etwa 3.000 Einzelriffe des Großen Barriereriffs mindestens 5-mal begutachtet worden.

Unterwasseraufnahme zeigt Wüste aus Kalkskeletten, darüber einige Fische Ein Korallenriff nach einem Massenauftreten von Dornenkronenseesternen und einem Wirbelsturm. Foto: AIMS Long-term Monitoring Team

Tropische Wirbelstürme zeichnen für knapp 50 Prozent des Korallenverlusts verantwortlich, schätzen die Forscher anhand eines statistischen Modells. Das Abweiden der Korallen durch massenhaft auftretende Dornenkronenseesterne macht rund 40 Prozent aus und zwei Korallenbleichen um die Jahrtausendwende herum 10 Prozent. Vor allem die zentralen und – seit wenigen Jahren – auch die südlichen Abschnitte des Großen Barriereriffs sind betroffen, während die Lage im Norden stabil scheint.

Grundsätzlich könnte sich das Große Barriereriff binnen weniger Jahrzehnte wieder erholen, so die Gruppe. Das setze allerdings voraus, dass der Nährstoffeintrag aus Städten und Landwirtschaft verringert und so die Vermehrung des Dornenkronenseesterns gebremst werde. Langfristig müsse zudem das Klima stabilisiert werden. „Derzeit sind die Intervalle zwischen den einzelnen Störungen zu kurz, als dass jeweils eine Erholung stattfinden könnte“, erläutert Hugh Sweatman, einer der beteiligten Forscher, „und das ist der Grund für den langfristigen Rückgang.“ Falls sich die Bedingungen nicht besserten, werde die Korallenfläche spätestens im Jahr 2022 unter 10 Prozent gefallen sein.

Forschung: Glenn De’ath, Katharina E. Fabricius, Hugh Sweatman und Marji Puotinen, Australian Institute of Marine Science, Townsville, und School of Earth and Environmental Sciences, University of Wollongong, Wollongong

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1208909109

WWW:
Australian Institute of Marine Sciences
Reef Monitoring, Threats to Coral Reefs
Great Barrier Reef Marine Park Authority

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1 Kommentar zu "Korallenschwund im Großen Barriereriff"

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  1. frey sagt:

    hallo , euch alles gute im neuen Jahr ,,und Durchaltevermögen für eute arbeit ,
    Gruß K.Frey