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Wie Berlin strahlt

Luftbildmosaik zeigt Stadt mit einigen strahlenden Gebäuden und hellen Straßen, dazwischen größere schwarze Flächen [1] Der Himmel über einer Stadt ist niemals ganz dunkel – und schon gar nicht über Berlin. Die bislang umfassendste Kartierung der Lichtabstrahlung der Hauptstadt haben Berliner Forscher erstellt. Im Rahmen ihrer Messkampagne erstellten sie ein rund 878 Megapixel großes Luftbildmosaik, das die nächtliche Stadt mit einer Auflösung von lediglich 1 Meter zeigt.

Bild: IGB/FU 2010

Bodengestützte Messungen der Lichtverschmutzung lieferten mit viel Arbeitsaufwand präzise Informationen über eine kleine Fläche, schreiben die Forscher um Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei im Fachblatt „Remote Sensing of the Environment“. Großflächige Aufnahmen von Wettersatelliten zeigten nächtliche Städte dagegen nur als verschwommene Flecken. Selbst Aufnahmen von Bord der Internationalen Raumstation ISS brächten es auf eine Auflösung von bestenfalls 45 Metern pro Bildpunkt.

Luftbild zeigt nächtlichen Potsdamer Platz mit großen, hell leuchtenden Gebäuden, angrenzend dunkle Fläche eines Parks Der Potsdamer Platz mit dem angrenzenden Tiergarten. Bild: IGB/FU 2010

Um die Vorzüge der verschiedenen Verfahren zu vereinen, unternahmen die Forscher im September 2010 einen nächtlichen Flug, der in 14 Bahnen über Berlin führte. Während des Flugs in 3 Kilometern Höhe machten sie mehr als 2.600 Senkrechtaufnahmen, aus denen sie später eine hochauflösende Karte der Lichtabstrahlung berechneten. Die Karte zeigt eine 391 Quadratkilometer große Fläche – entsprechend gut 40 Prozent der Gesamtfläche Berlins.

Luftbild zeigt nächtliche, hell strahlende Terminalgebäude eines Flughafens Die Terminalgebäude des Flughafens Berlin-Tegel. Bild: IGB/FU 2010

Berlin leuchtet demnach sehr ungleichmäßig. Die Hälfte des insgesamt abgestrahlten Lichts geht von nur einem Viertel der betrachteten Fläche aus. Allein die Straßen mit ihren Laternen und den Scheinwerfern der Autos zeichnen für gut ein Drittel des Lichts verantwortlich. Umgekehrt gibt große, praktisch dunkle Bereiche wie die Havel oder den Grunewald. Diese Flächen machen knapp ein Drittel des Untersuchungsgebiets aus, strahlen aber nur etwa 6 Prozent des Lichts ab.

Nach Ansicht Hölkers und seiner Kollegen könnten detaillierte Karten der nächtlichen Lichtabstrahlung helfen, die Lichtverschmutzung zu reduzieren und damit auch ihre Auswirkungen auf die Tierwelt und den Energieverbrauch.

Forschung: Helga U. Kuechly, Christopher C. M. Kyba und Franz Hölker, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin; Jürgen Fischer, Institut für Weltraumwissenschaften, Fachbereich Geowissenschaften, Freie Universität Berlin; und andere

Veröffentlichung Remote Sensing of the Environment, Vol. 126, November 2012, pp 39–50, DOI 10.1016/j.rse.2012.08.008

WWW:
Forschungsverbund Verlust der Nacht [2]
Earth at Night [3]

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Laternenlicht lockt Fleischfresser [4]