Posted in: Meeresforschung 27. August 2012 21:00 Weiter lesen →

Weniger Biomasse auf der Erde

Grafik zeigt Weltmeere, Farbschattierungen von gelb bis dunkelblau, einige orangefarbene Punkte Die lebende Masse der Erde ist deutlich geringer als bislang angenommen. Das haben Potsdamer Geowissenschaftler und amerikanische Kollegen bei einer Erhebung des Lebens im Meeresboden ermittelt. Einzellige Organismen im Sediment bringen es demnach auf lediglich 4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff und nicht etwa auf 300 Milliarden.

In den „Wüsten des Meeres“ wird an der Oberfläche kaum Photosynthese betrieben und damit nur wenig Nahrung für Mikroben im Sediment gebildet (Chlorophyll-Konzentration in mg/m3; die orangefarbenen Punkte markieren die Bohrstellen). Grafik: Copyright GFZ, Jens Kallmeyer

Bislang sei man davon ausgegangen, dass Mikroben im Meeressediment fast ein Drittel der irdischen Biomasse ausmachten, erläutern die Forscher um Jens Kallmeyer vom Deutschen Geoforschungszentrum und der Universität Potsdam in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Tatsächlich dürfte der Anteil nur bei etwa 0,6 Prozent liegen.

Die früheren Schätzungen hätten sich auf Sedimentbohrkerne aus küstennahen bzw. nährstoffreichen Meeresgebieten gestützt, erklärt Kallmeyer. „Etwa die Hälfte der Weltmeere sind aber extrem nährstoffarm“, so der Forscher, „daher wurde schon seit etwa 10 Jahren vermutet, dass die Biomasse im Meeresboden stark überschätzt wird.“ Die neue Studie liefere den entsprechenden Beleg.

Die Gruppe um Kallmeyer und seinen Kollegen Robert Pockalny von der University of Rhode Island trug Daten über Sedimentproben von 57 Bohrstellen zusammen – darunter auch solche in nährstoffarmen Meeresgebieten. Es zeigte sich, dass die Zahl der Sedimentmikroben in den weitläufigen „Wüsten des Meeres“ teils um den Faktor 100.000 niedriger liegt als in den küstennahen Oasen.

Darüber hinaus ergab die statistische Analyse, dass sich die jeweilige Mikrobendichte und ihre Abnahme mit der Sedimenttiefe verblüffend gut durch die Sedimentierungsrate sowie die Entfernung vom Land beschreiben lässt. Auf Basis dieses Zusammenhangs berechnen die Forscher einen globalen Wert von knapp 3 mal 10 hoch 29 (300 Milliarden Milliarden Milliarden) Zellen im Sediment.

„Mit diesem Resultat sinkt auch der Schätzwert für die gesamte lebende Masse der Erde“, schreiben Kallmeyer, Pockalny und Kollegen. Bisherige Abschätzungen hätten Werte zwischen 915 und 1.108 Milliarden Tonnen Kohlenstoff ergeben. Tatsächlich seien es wohl nur 614 bis 827 Milliarden Tonnen.

Forschung: Jens Kellmeyer und Rishi Ram Adhikari, Institut für Erd- und Umweltwissenschaften, Universität Potsdam, und Deutsches Geoforschungszentrum, Potsdam; Robert Pockalny und Steven D’Hondt, Graduate School of Oceanography, University of Rhode Island, Narragansett; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1203849109

WWW:
Sektion Geomikrobiologie, GFZ Potsdam
D’Hondt Lab, University of Rhode Island
Adopt A Microbe from the Deep Biosphere

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2 Kommentare zu "Weniger Biomasse auf der Erde"

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  1. monstermaschine | 6. September 2012 09:46
  1. polychaeta sagt:

    Welche Zahl wird da beschrieben, wenn die Milliarden zweimal wiederholt werden? Nennt sie doch beim Namen:
    300 Quatrilliarden .

    Die europäischen Rettungsschirme nähern sich diesen Zahlen, da kann man sich ja heute schon mal dran gewöhnen. 😉