Posted in: Tierwelt 25. Juli 2012 07:57 Weiter lesen →

Französischer Wurm erobert Irland

Nahaufnahme eines blassrosa gefärbten Regenwurms in fettem, gut durchwurzelten Boden Einen unerwarteten Einwanderer haben Biologen in Irland entdeckt. Auf bzw. unter einer großen Grünfläche in der Hauptstadt Dublin fanden sie einen Regenwurm, den man bislang nur aus dem Südwesten Frankreichs kannte. Möglicherweise hat der Neuling als blinder Passagier in Pflanzenerde oder als Angelköder den Sprung auf die Insel geschafft.

Foto: Copyright Carol Melody, UCD

Rund 1.000 Kilometer nördlich seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets in der französischen Aquitaine scheint sich der Regenwurm prächtig zu entwickeln, berichten Carol Melody und Olaf Schmidt vom University College Dublin im Fachblatt „Biology Letters“. Dabei könnte ihm zugute zu kommen, dass er Bodenpartikel als Nahrung verwerten kann, die einheimische Regenwürmer nicht nutzen können.

Melody und Schmidt führten ihre Untersuchung auf einem großen Lehr- und Freizeithof in einem Vorort Dublins durch. Die beiden Forscher klaubten mehrere knapp 16 Liter große Bodenquader auseinander und registrierten jeden einzelnen Regenwurm darin. Zu ihrer Verblüffung fanden sie neben insgesamt 16 einheimischen Spezies auch Vertreter der Art Prosellodrilus amplisetosus. Der Einwanderer stellt auf einigen Flächen des Guts sogar die zahlenmäßig stärkste Regenwurmart.

Der Fund kommt umso überraschender, als die verschiedenen angestammten Regenwurmspezies längst alle Nahrungsquellen im irischen Boden erschlossen haben sollten. Des ungeachtet scheint der Neuling eine freie oder zumindest nur schwach umkämpfte Nische gefunden zu haben.

Das Gewebe des Einwanderers enthält insgesamt weniger Stickstoff, zugleich aber mehr schweren Kohlenstoff und Stickstoff (C-13 bzw. N-15) als das Gewebe seiner einheimischen Vettern, fanden Melody und Schmidt. Eine mögliche Erklärung ist, dass Prosellodrilus amplisetosus Bodenpartikel verwerten kann, die stark von Mikroben besiedelt sind und für andere Regenwürmer nicht bekömmlich sind. Ob und wie sich der Appetit des Neulings auf die Lebensgemeinschaft und die Stoffkreisläufe im Boden auswirken wird, ist derzeit noch offen.

Forschung: Carol Melody und Olaf Schmidt, School of Agriculture and Food Science und Earth Institute, University College Dublin

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2012.0537

WWW:
Agriculture and Food Science, University College Dublin
Regenwürmer
Irish Fauna

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