Posted in: Klima 9. Juli 2012 15:27 Weiter lesen →

Warmes Klima in Antike und Mittelalter

In Antike und Mittelalter war es wärmer als bisher angenommen. Das ergab eine 2.000-jährige Klimarekonstruktion für Nord-Europa anhand von Jahresringen finnischer Bäume. Eine internationale Forschergruppe erstellte mit Dichtemessungen fossiler Kiefernbäume aus dem finnischen Lappland eine Zeitreihe, die bis ins Jahr 138 v.Chr. zurückreicht.

Foto: sasel77 /Fotolia

Bäume sind für die letzten 1.000 bis 2.000 Jahre die wichtigsten Klimazeugen. Im finnischen Lappland sind viele Bäume in die zahlreichen Seen gefallen und haben sich über Jahrtausende sehr gut erhalten. Die Messungen der Holzdichte zeigten nach Aussage der Forscher eine gute Übereinstimmung mit den Sommertemperaturen in diesem Raum nahe der nordischen Waldgrenze. Die Arbeitsgruppe unter Leitung der Universität Mainz stellt ihre Ergebnisse in der Zeitschrift „Nature Climate Change“ vor.

Grafik zeigt den Abkühlungstrend über 2000 Jahre hinweg
Die Temperatur-Abkühlung der letzten 2.000 Jahre. Grafik: Universität Mainz

Der langfristige Abkühlungstrend über die letzten Jahrtausende sei jetzt erstmals präzise berechnet worden, sagt der beteiligte Forscher Jürg Luterbacher vom Institut für Geographie der Justus-Liebig-Universität Gießen: „Wir konnten zeigen, dass die historischen Temperaturen zur Römerzeit und im Mittelalter als zu kühl eingeschätzt wurden. Diese Befunde sind auch insofern von klimapolitischer Bedeutung, da sie die Beurteilung des aktuellen Klimawandels im Vergleich zu den historischen Warmphasen beeinflussen.“

Durch langsame Veränderungen des Sonnenstandes, aber auch der Distanz der Erde zur Sonne sei es zu einer Abkühlung von -0.3 Grad Celsius pro Jahrtausend gekommen. „Im Prinzip erscheint diese Zahl nicht sonderlich beeindruckend“, so Luterbacher, „allerdings ist sie im Vergleich zur globalen Erwärmung, die bis heute auch weniger als 1 Grad Celsius beträgt, nicht zu vernachlässigen. Wir konnten nun zeigen, dass die großräumigen Klimarekonstruktionen, die auch vom internationalen Klimarat IPCC verwendet werden, den langfristigen Abkühlungstrend über die letzten Jahrtausende unterschätzen.“

Forschung: Jan Esper, David C. Frank, Mauri Timonen, Eduardo Zorita, Rob J. S. Wilson, Jürg Luterbacher, Steffen Holzkämper, Nils Fischer, Sebastian Wagner, Daniel Nievergelt, Anne Verstege, Ulf Büntgen; in „Nature Climate Change“, 8.7.2012, DOI: 10.1038/NCLIMATE1589

WWW:
Veröffentlichung in „Nature Climate Change“
Klimatologie an der Universität Gießen

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5 Kommentare zu "Warmes Klima in Antike und Mittelalter"

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  1. Dieda sagt:

    Die Justus-Liebig-Universität Gießen hat bereits echt fantastische Arbeit geleistet in Puncto Wetter/Klimaforschung – sehr kritisch und nicht so voreingenommen wie diverse Institute (Namen nenne ich hier mal nicht)

  2. karl sagt:

    Wenn man sich die Rüstungen der Römer ansieht reicht das schon um zu wissen das es wärmer war.Keine Stiefel sondern nur Sandalen.Keine Jacken,keine Hosen.

    Quitten wurden roh gegessen und als sehr lecker beschrieben.Dafür muss es sehr warm sein sonst sind sie ungeniessbar und so hart wie Holz trotz 2000 Jahren Aussortierung/Züchtung der besten Sorten.

  3. alexP sagt:

    Das bedeutet wohl, dass die Interpretation der Baumringdaten in den IPCC-Berichten falsch war!

    Die Ursache für die Schwankungen scheint nach neueren Untersuchungen (aber auch Forschungsergebnissen des CERN etc.) weniger in Fragen des Sonnenstands oder der Entfernung Sonne-Erde, sondern in indirekten Effekten wie einer Zu- und abnahme des solaren Magnetfeldes und der daraus reusltierenden größeren oder kleineren Abschirmung der Atmosphäre vor kosmischen Partikeln zu liegen, die die Wolkenbildung unterhalb der Stratossphäre beeinflussen (siehe Varenholt / „die kalte Sonne“). Jedenfalls wieder eine Entdeckung, die peinlich für den IPCC und seine politisch motivierten Epigonen sein sollte.

  4. facepalm sagt:

    Diese Studie bezieht sich auf regionale(!) Baumringdaten am und oberhalb des Polarkreises!
    Daraus gleich Folgerungen und Vergleiche über die globale (!) komplette Temperaturrekonstruktion zu machen, ist mindestens gewagt, wenn nicht gar unmöglich.
    Peinlich ist das mit Sicherheit nicht für den IPCC, sondern eher für Forscher, die Behauptungen in Presseveröffentlichungen verbreiten, die von Ihrer eigenen Forschung gar nicht gedeckt werden.

  5. facepalm sagt:

    Es gibt einige Reaktionen zu Esper et al, die aussagekräftigste wohl von Robert Wilson, einem Co-Autor:
    „… Our paper is for northern Scandinavian summer temperatures so extrapolating to large scale annual temperatures is not really correct. …“

    Weiterhin wird Esper2012 auch bei einem Real Climate Artikel besprochen:
    http://www.realclimate.org/index.php/archives/2012/07/tree-rings-and-climate-some-recent-developments/
    sowie in einem SkepticalScience Artikel:
    http://www.skepticalscience.com/news.php?n=1544

    Beide Artiukel ktitisieren vorschnelle Folgerungen auf globale Termperaturen aus Esper2012.