Posted in: Stadt, Tierwelt 23. Mai 2012 01:01 Weiter lesen →

Laternenlicht lockt Fleischfresser

Foto zeigt hellgelb leuchtende Straßenlaterne vor dunkelblauer Dämmerung Motten umschwirren Straßenlaternen und Spinnen machen in beleuchteten Fußgängertunneln fette Beute. Der Einfluss des künstlichen Lichts reicht jedoch weiter, haben englische Forscher ermittelt. Straßenlaternen haben demnach Einfluss auf die Zusammensetzung der Fauna am Boden. Insbesondere Räuber und Aasfresser sind in permanent beleuchteten Bereichen häufiger anzutreffen.

Foto: Dmitry G via Wikimedia.org (Public Domain)

„Unsere Untersuchung offenbart erstmals Veränderungen in ganzen Lebensgemeinschaften von Wirbellosen, wie sie durch die Lichtverschmutzung bewirkt werden“, erklärt Tom Davies von der University of Exeter. Angesichts der neuen Resultate müssten die ökologischen Konsequenzen des künstlichen Lichts näher untersucht werden, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt „Biology Letters“. Das gelte umso mehr, als die Straßenbeleuchtung vielerorts von gelben Natriumdampflampen auf Lichtquellen mit einem natürlicheren Farbspektrum umgestellt werde.

Etwa ein Drittel aller Wirbeltiere und fast zwei Drittel aller wirbellosen Tiere sind nachtaktiv. Der „Verlust der Nacht“ durch eine wachsende Zahl künstlicher Lichtquellen wurde lange Zeit hauptsächlich von Astronomen thematisiert. Nur vereinzelt widmeten sich Naturschützer und Ökologen den Auswirkungen auf die Tierwelt, etwa auf Zugvögel und Meeresschildkröten.

Davies und Kollegen versuchten nun, die Effekte auf eine größere Wirbellosenfauna zu erfassen. Die Forscher führten ihre dreitägige Untersuchung in einer kleinen Ortschaft in Cornwall durch. Direkt unter bzw. zwischen Straßenlaternen mit Natriumdampf-Hochdrucklampen legten die Forscher 28 kleine Fallen aus. Bei allmorgendlichen und -abendlichen Kontrollen fanden sich darin insgesamt fast 1.200 Vertreter von 60 Tierarten, darunter Insekten, Spinnentiere, Schnecken und landlebende Krebse.

Unabhängig von der Tageszeit enthielten die Fallen unter den Laternen rund ein Viertel mehr Individuen als jene zwischen den Laternen, berichten die Forscher. Auch die Artenzusammensetzung unterschied sich: Am Boden unter den Laternen fanden sich mehr Weberknechte, Ameisen, Laufkäfer, Asseln und Flohkrebse. Wurden die Spezies nach ihrer Ernährungsweise sortiert, so lebten unter den Laternen mehr räuberische und aasfressende Arten. Auch dieser Effekt war unabhängig von der Tageszeit nachweisbar.

Forschung: Thomas W. Davies, Jonathan Bennie und Kevin J. Gaston, Environment and Sustainability Institute, University of Exeter, Penryn

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2012.0216

WWW:
Environment and Sustainability Institute, University of Exeter
Earth at Night
Verlust der Nacht
International Dark-Sky Association

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