Plastikmüll hilft Hochsee-Wanzen

Foto zeigt Insekt mit eiförmigem Körper, knopfartigen Facettenaugen und sehr langem mittlerem Beinpaar auf Wasseroberfläche Plastikmüll kommt manchen Meeresbewohnern durchaus gelegen. Das zeigt eine Untersuchung amerikanischer Biologinnen. Dem Meerwasserläufer, einem der wenigen Insekten des offenen Meeres, eröffnen im Wasser treibende Kunststoffteilchen zusätzliche Gelegenheiten zur Eiablage und fördern so seine Vermehrung.

Foto: Anthony Smith

Je mehr Plastikteilchen im Wasser treiben, desto größer ist auch die Zahl der ausgewachsenen Meerwasserläufer (Halobates sericeus) sowie der Eier und Larven, ermittelten Miriam Goldstein von der kalifornischen Scripps Institution of Oceanography und ihre Kolleginnen. Ihre Beobachtungen stellen die Forscherinnen im Fachblatt „Biology Letters“ vor.

Goldstein und Kolleginnen werteten Daten mehrerer Forschungsfahrten in den Nordpazifik aus, bei denen Anfang der 70er-Jahre sowie in den Jahren 2009 und 2010 Schwebeteilchen aus dem Meerwasser gefiltert worden waren. Demnach ist die mittlere Konzentration von höchstens 5 Millimeter großen Plastikteilchen in den letzten 40 Jahren um den Faktor 100 gestiegen – insbesondere in jenem Meeresgebiet, das heute als „pazifischer Müllstrudel“ bekannt ist. Je mehr kleine Plastikpartikel das Wasser enthielt, desto häufiger hafteten daran Eier des Meerwasserläufers an und desto mehr Individuen der Wanzenart fanden sich.

Meerwasserläufer sind zur Eiablage auf feste Oberflächen angewiesen, wie sie Stücke von Holz und Bimsstein, Federn oder Kalkschalen im Treibgut bieten. Die neuen Daten legten den Schluss nahe, dass dieses natürliche Angebot normalerweise knapp sei und daher die Vermehrung der räuberischen Insekten beschränke, so Goldstein und Kolleginnen. Angesichts der starken Vermehrung der Wanze in Gebieten mit viel Plastik stelle sich die Frage nach den ökologischen Konsequenzen.

Forschung: Miriam C. Goldstein, Marci Rosenberg und Lanna Cheng, Scripps Institution of Oceanography, University of California San Diego, La Jolla

Veröffentlichung Biology Letters, 9. Mai 2012, DOI 10.1098/rsbl.2012.0298

WWW:
Marine Biology Research Division, Scripps Institution
SEAPLEX
Halobates – Oceanic Insects
Plastikmüll in den Ozeanen

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