Posted in: Klima, Pflanzenwelt 19. April 2012 20:00 Weiter lesen →

Klimawandel verändert Gebirgsflora

Panoramafoto einer kargen trockenen Hochgebirgslandschaft, vier Nahaufnahmen blühender Pflanzen Als Folge des Klimawandels muss die europäische Gebirgsflora enger zusammenrücken. Das belegt eine groß angelegte Untersuchung unter Federführung österreichischer Forscher. Binnen weniger Jahre haben demnach zahlreiche Pflanzen ihr Verbreitungsgebiet in größere Höhenlagen ausgedehnt. Während dies in Mittel- und Nordeuropa zu einem Anstieg der Artenzahl auf den Gipfeln geführt hat, ist im Mittelmeerraum bereits ein Verlust zu beobachten.

Fotos: Copyright Michael Pauli

„Der Rückgang auf den Gipfeln im Süden Europas ist besonders beunruhigend, weil die Gebirge im Mittelmeergebiet eine einzigarte Pflanzenwelt beherbergen“, erklärt Harald Pauli von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Der überwiegende Teil dieser Gebirgspflanzen komme nirgends sonst auf der Welt vor, so der Forscher. Die im Rahmen des Forschungsprogramms GLORIA gewonnenen Erkenntnisse werden im Magazin „Science“ veröffentlicht.

Pauli und Kollegen führten ihre Erhebungen auf 66 Berggipfeln von Kreta bis Nordschweden und von Andalusien bis zum Ural durch. Im Jahr 2001 und nochmals im Jahr 2008 erfassten sie dort mit einer standardisierten Methode sämtliche Gefäßpflanzen auf den obersten 10 Metern. In dem kurzen Zeitraum veränderte sich das Bild merklich: Während die durchschnittliche Artenzahl auf den Gipfeln in mittleren und nördlichen Breiten von 38 auf knapp 42 stieg, sank sie im Süden von fast 24 auf 22.

Nach Ansicht der Forscher lassen sich diese Veränderungen hauptsächlich durch zwei Faktoren erklären. Einerseits dehnen viele Pflanzen ihr Verbreitungsgebiet in höhere Lagen aus – laut Analyse der neuen Daten derzeit um knapp 3 Meter pro Jahr. Andererseits sorgen die höheren Temperaturen gerade im Mittelmeerraum für weniger Schnee und damit für ausgeprägtere Wasserknappheit auf den Gipfeln. Diese Entwicklung werde sich wohl auch in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen, sodass den gleichsam auf Kälteinseln gestrandeten Gebirgspflanzen im Süden Europas der Lebensraum ausgehe.

Selbst die Zunahme der Artenvielfalt auf den weiter nördlich gelegenen Gipfeln könne wohl nicht als positives Zeichen gewertet werden, fürchtet Paulis Kollege Michael Gottfried von der Universität Wien. Bei den neu hinzukommenden Arten handle es sich überwiegend um Spezies, die in tieferen Lagen ohnehin weit verbreitet seien. Diese weniger kältetoleranten Arten könnten nun in größere Höhen vorrücken und so „den Konkurrenzdruck auf die selteneren kälteliebenden Alpenblumen erhöhen“.

Forschung: Harald Pauli und Georg Grabherr, Institut für Gebirgsforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Universität Wien; Michael Gottfried und Stefan Dullinger, Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie, Universität Wien, und VINCA – Institut für Naturschutzforschung und Ökologie, Wien; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 336, 20. April 2012, pp 353–5, DOI 10.1126/science.1219033

WWW:
GLORIA – Global Observation Research Initiative in Alpine Environments
Klimawandel: Änderung der Verbreitung der Arten
Alpenflora

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Angleichung auf Alpengipfeln
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Bäume rücken sprunghaft vor

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