Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 2. April 2012 17:17 Weiter lesen →

Barcode verrät neue Reptilien-Spezies

Nahaufnahme vom Kopf eines grau-braunen Geckos mit schlitzförmig verengten Pupillen, jede einzelne Kopfschuppe erkennbar Viele Tier- und Pflanzenarten sind rein äußerlich kaum von ihren Verwandten zu unterscheiden. Als Folge kann die Artenvielfalt eines Gebiets massiv unterschätzt werden, haben belgische und deutsche Zoologen am Beispiel der Reptilien Madagaskars zeigen können. Anhand ihrer genetischen Analysen schätzen sie, dass auf sechs beschriebene Spezies mindestens eine unerkannte kommt.

Foto: Frank Glaw

„Die große Anzahl neu identifizierter Arten hat uns sehr überrascht, zumal die Reptilien Madagaskars in den letzten 20 Jahren intensiv untersucht worden sind“, erklärt Zoltán Nagy vom Königlich-belgischen Museum der Naturwissenschaften. Der Forscher und seine Kollegen aus Brüssel, München und Braunschweig stellen ihre neuen Resultate im Fachblatt „PLoS ONE“ vor.

Derzeit sind gut 1,8 Millionen Arten von Tieren, Pflanzen und anderen Lebewesen mit einem echten Zellkern beschrieben. Wie viele es tatsächlich sind, ist noch völlig offen – unter anderem deshalb, weil diese Art Forschung vergleichsweise zurückhaltend gefördert wird und weil es für viele Organismengruppen nur wenige Experten gibt, die einen neuen Vertreter überhaupt als solchen erkennen könnten. Abhilfe schaffen könnten vielleicht kurze Abschnitte des Genoms, die sich bei verschiedenen Arten zuverlässig unterscheiden.

Die belgischen und deutschen Zoologen wandten dieses Konzept eines genetischen Barcodes auf die Reptilien Madagaskars an. Dazu nutzten sie Museumsexemplare von 468 Vertretern, die bislang zu 251 Spezies gerechnet wurden. Die Forscher sequenzierten ein knapp 700 Basenpaare langes DNA-Stück aus den Mitochondrien, den Zellkraftwerken. Der Vergleich der Sequenzen ergab, dass sich mehr als 40 Individuen genetisch mindestens ebenso stark von ihren vermeintlichen Artgenossen unterschieden als für Schwesterarten in der Stichprobe typisch.

Bislang sind fast 400 Reptilienarten von Madagaskar bekannt, während in Deutschland lediglich 13 Arten heimisch sind. „Die neuen Ergebnisse unterstreichen einmal mehr die herausragende Bedeutung Madagaskars als wichtiges Zentrum der globalen Artenvielfalt“, ergänzt Nagys Institutskollege Gontran Sonet. Vor der formellen Beschreibung der mutmaßlichen Neulinge stehe allerdings wieder klassische taxonomische Fleißarbeit an, betont Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München: Auf die genetische müsse nun die eingehende äußerliche Untersuchung folgen.

Forschung: Zoltán T. Nagy und Gontran Sonet, Institut royal des Sciences naturelles de Belgique, Brüssel; Frank Glaw, Zoologische Staatssammlung München; Miguel Vences, Zoologisches Institut, TU Braunschweig

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 7(3), e34506, DOI 10.1371/journal.pone.0034506

WWW:
Molecular Laboratory, Institut royal des Sciences naturelles
Zoologische Staatssammlung München
Barcode of Life

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