Posted in: Pflanzenwelt 12. März 2012 12:30 Weiter lesen →

Antarktis: Pflanzliche Passagiere reisen mit Menschen ein

Menschliche Hilfe erleichtert die Ansiedlung ortsfremder Pflanzen in der Antarktis, denn Touristen und Wissenschaftler tragen ungewollt zahlreiche Pflanzensamen mit sich. Im Durchschnitt reisen mit jedem Besucher 9,5 Pflanzensamen in die Antartkis ein, ergab eine Untersuchung südafrikanischer Forscher.

Die Antarktische Halbinsel. Foto: NASA Die Antarktische Halbinsel. Foto: NASA

Jährlich besuchen bereits 33.000 Touristen die Antarktis, dazu kommen noch rund 7.000 Forscher und Mitarbeiter der wissenschaftlichen Stationen, die zahlreiche Länder in der Antarktis unterhalten. Gerade dieses Personal ist es, das die Ansiedlung ortsfremder Arten besonders begünstigt: Die Wissenschaftler reisen mit viel Gepäck an und halten sich überdurchschnittlich lange vor Ort auf. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie eingeschleppte Pflanzensamen verbreiten.

Eine internationale Forschergruppe um Steven Chown von der Universität im südafrikanischen Stellenbosch suchte in den Jahren 2008 und 2009 gezielt nach Pflanzensamen auf der Kleidung und dem Gepäck von Besuchern. Dazu wurde die Ausrüstung von insgesamt 853 Menschen mit gewöhnlichen Bodenstaubsaugern abgesucht. Rund 2600 verschiedene Samen konnten die Forscher auf diese Weise sammeln.

Touristen und Schiffspersonal trugen vergleichsweise wenig Samen mit sich, berichten die Samensammler im Magazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS). Die meisten Pflanzen seien dagegen mit dem wissenschaftlichen Personal in die Antarktis gekommen.

Eine begleitende Befragung ergab, dass die Hälfte aller Besucher im Vorjahr bereits vergleichbar kalte Regionen besucht hatte – etwa durch andere Expeditionen in polare Gebiete oder ins Gebirge. Dies erhöhe die Gefahr, dass kältegewöhnte Pflanzen eingeschleppt werden könnten, sagen die Forscher.

Ihre Sorge ist nicht ganz unbegründet ist: Mehrere der identifizierten Pflanzen haben sich bereits auf der Antarktischen Halbinsel sowie Teilen der subantarktischen Inselgruppe angesiedelt. Eingeschleppte Gräser konnten außerdem im Umfeld der Forschungsstationen in nahezu allen antarktischen Küstenbereichen Fuß fassen. Die globale Erwärmung werde die pflanzlichen Invasoren weiter begünstigen, erwarten die Autoren.

Forschung: Steven L. Chown, Centre for Invasion Biology, Stellenbosch University, South Africa; Ad H.L. Huiskes, Netherlands Institute of Ecology, Yerseke; u.a. in PNAS Early Edition, 5.3.2012, doi: 10.1073/pnas.1119787109

WWW:
Veröffentlichung in PNAS
Centre for Invasion Biology

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2 Kommentare zu "Antarktis: Pflanzliche Passagiere reisen mit Menschen ein"

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  1. Cornelia Krug sagt:

    Stellenbosch University, ist, wie der Name sagt, in Stellenbosch. Matieland ist nur der Name des Postbezirks….

  2. Meinke sagt:

    Ist korrigiert, vielen Dank für den Hinweis!