Posted in: Tierwelt 15. Februar 2012 01:01 Weiter lesen →

Zugvogel verbindet Alte und Neue Welt

Foto zeigt kleinen Vogel mit weißem Bauch- und Brustgefieder, hellgrauem Rücken, dunkelgrauen Flügeln, schwarzer Augenbinde auf moosbedecktem Stein Ein kaum spatzengroßer Vogel lässt so manchen Vielflieger alt aussehen. Das berichten deutsche, englische und kanadische Forscher im Fachblatt „Biology Letters“. Der Steinschmätzer legt demnach jährlich bis zu 29.000 Kilometer zurück, um aus seinen Brutgebieten in Alaska in die Winterreviere in Ostafrika und wieder zurück zu gelangen.

Foto: Philippe Kurlapski via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution 1.0 Generic)

Gemessen an der Körpermasse von nur etwa 25 Gramm, sei dies eine der längsten bekannten Vogelwanderungen, schreiben die Forscher um Franz Bairlein und Heiko Schmaljohann vom Wilhelmshavener Institut „Vogelwarte Helgoland“. Umso mehr stelle sich die Frage, „wie es ein Vogel dieser Größe schafft, zwei Mal jährlich eine derart strapaziöse Reise zu absolvieren – ganz besonders im Fall unerfahrener, ohne Begleitung ziehender Jungvögel“.

Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) brüten in den nördlichen Breiten der Erde. Lediglich in Nordamerika klafft eine Lücke zwischen Brutgebieten in Alaska und dem äußersten Nordwesten Kanadas auf der einen Seite und dem Nordosten Kanadas auf der anderen Seite. Auch die wärmeren Gefilde Amerikas haben die Vögel noch nicht erschlossen, vielmehr scheinen alle Tiere zum Überwintern nach Afrika zu ziehen.

Bairlein, Schmaljohann und Kollegen machten die Probe aufs Exempel und versahen mehrere Steinschmätzer in Alaska und auf der nordostkanadischen Baffininsel mit lediglich 1,2 Gramm schweren Datenloggern, die fortwährend die Umgebungshelligkeit zusammen mit einem Zeitstempel registrieren. Vier dieser Geräte konnten die Forscher im darauffolgenden Sommer bergen, um anhand der wechselnden Tageslänge und der Zeit von Sonnenaufgang und -untergang die Reiseroute zu rekonstruieren.

Tatsächlich überquerten die Vögel aus Alaska die Beringstraße und flogen dann durch Russland, Kasachstan und Arabien bis nach Ostafrika. Dabei schafften sie im Schnitt 160 Kilometer pro Tag, zurück ging es deutlich schneller mit rund 250 Kilometer pro Tag. Die Route von der Baffininsel führte dagegen über rund 3.500 Kilometer offenen Atlantiks zu den Britischen Inseln und von dort südwärts nach Mauretanien. In diesem Fall ging der Herbstzug schneller vonstatten als der Rückflug im Frühjahr.

Ob und wie häufig sich Steinschmätzer aus den zwei nordamerikanischen Brutgebieten in Afrika begegnen, ist derzeit noch unklar. Die Isotopenmessungen der Forscher sprechen allerdings für eine Trennung der jeweiligen Winterreviere.

Forschung: Franz Bairlein und Heiko Schmaljohann, Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“, Wilhelmshaven; D. Ryan Norris, Department of Integrative Biology, University of Guelph, Guelph; Christian C. Voigt, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, 15. Februar 2012, DOI 10.1098/rsbl.2011.1223

WWW:
Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“
Oenanthe oenanthe
Geolocators
Vogelzug

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Sturmtaucher fliegen die pazifische Acht

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2 Kommentare zu "Zugvogel verbindet Alte und Neue Welt"

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  1. Forster Franca sagt:

    Hallo!
    Heute haben wir auf unserem Spaziergang einen Schwarm Vögel gesehen (in einer Streuobstwiese) welche die Ähnlichkeit des Fotos des Steinmätzers passt.
    Deren Flügelschlag war recht kurz und hektisch .. würde das auch passen? Dazu habe ich keine Angaben gelesen.
    Lieben Gruß aus Baden Württemberg PLZ 74232
    F.Forster

  2. Mittelspecht sagt:

    Hallo,
    Steinschmätzer sind keine Schwarmvögel und für gewöhnlich erst ab Mitte März vermehrt in Deutschland. Dann sind sie vor allem auf unbewachsenen Flächen, z.B. Äcker und in Kiesabbaugebieten zu finden.
    Nach Ihrer Beschreibung würde ich auf Wacholderdrosseln tippen, die im Winter sehr häufig Streuobstwiesen besuchen. Andere typ. Schwarmvögel sind dann noch Stare, in manchen Wintern auch Seidenschwänze und ansonsten einige Finkenvögel (Stieglitze, Erlenzeisige usw.) die aber nicht so typisch für Streuobstwiesen sind wie die zuvor genannten Arten.