Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 6. Februar 2012 18:12 Weiter lesen →

Seegurken düngen Korallen

Foto zeigt ungefähr armlange, dunkelgraue Seegurke auf sandigem Meeresboden zwischen Algen Seegurken spielen eine wichtige Rolle für den Erhalt der Korallenriffe. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach Labortests und Messungen in tropischen Riffen. Die alkalischen und kalziumhaltigen Ausscheidungen der Tiere helfen den Korallen demnach, ihr Kalkskelett zu stabilisieren.

Holothuria leucospilota, eine der studierten Arten, gehört zu den größeren ihrer Klasse. Foto: Elapied via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 France)

Kalksand werde im Darm der Seegurken in seine Bestandteile zerlegt, die von den Korallen wiederum zum Aufbau ihres Skeletts genutzt werden können, erläutert Maria Byrne von der Universität Sydney. „In einem gesunden Riff scheint das Auflösen von Kalksediment durch Seegurken und andere biologischen Erodierer ein wichtiger Faktor im natürlichen Kreislauf des Kalziumkarbonats zu sein“, so die Forscherin.

Seegurken gehören zu den Stachelhäutern und damit in die Verwandtschaft von Seestern und Seeigel. Viele der walzenförmigen Tiere finden ihr Auskommen, indem sie Kalksand fressen und die darin befindlichen Kleinstlebewesen verdauen. Auch etwas Sand – zu einem guten Teil zermahlenes Korallenskelett – wird dabei im Darm der Seegurken aufgelöst. Zudem geben die Tiere mit ihrem Exkrement Ammoniak und andere alkalische Verbindungen an das Meerwasser ab.

Die Chemie des Meerwassers wird durch Seegurken merklich beeinflusst, fand die Gruppe um Byrne und ihren Kollegen Ken Caldeira von der amerikanischen Carnegie Institution. Am Beispiel zweier Riffgebiete ermittelten die Forscher, dass im Schnitt eine Seegurke auf einen Quadratmeter kommt. Labor- und Freilandmessungen ergaben, dass allein diese Tiere für 50 bis 100 Prozent der nächtlichen Kalkauflösung im Riff verantwortlich zeichnen. Die dadurch wieder ins Wasser gebrachten Kalkbestandteile Kalzium und Karbonat können von den Korallen erneut aufgenommen und in ihr Kalkskelett eingebaut werden.

Gleichzeitig erhöhen die Ausscheidungen der Seegurken den Alkaligehalt des Wassers und damit dessen Pufferwirkung gegen Säure, fanden Byrne und Kollegen. „Darüber hinaus wirkt der im Zuge der Verdauung von den Seegurken abgegebene Ammoniak wie ein Dünger und steht den Korallen als Nährstoff zur Verfügung“, so die Forscherin. Angesichts dieser Resultate müsse die Bedeutung der Seegurken für das Riff und ihre Nutzung durch den Menschen eingehender untersucht werden.

Forschung: Kenneth Schneider und Ken Caldeira, Department of Global Ecology, Carnegie Institution for Science, Stanford; Maria Byrne, Schools of Biological and Medical Sciences, University of Sydney; und andere

Veröffentlichung Journal of Geophysical Research, Vol. 116, G04032, DOI 10.1029/2011JG001755

WWW:
School of Biological Sciences, University of Sydney
Sea Cucumbers
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