Posted in: Natur- und Umweltschutz, Tierwelt 6. Januar 2012 13:32 Weiter lesen →

Fauna im Schnapsglas

Makroaufnahme zeigt Libelle mit schwarz-gelbem Hinterleib und dunklen Flecken an den Flügelspitzen im grünen Gras Wie es um die Fauna in einem Gewässer steht, lässt sich an einer kleinen Wasserprobe ablesen. Entsprechende Versuche haben dänische Forscher durchgeführt. Die in der Probe enthaltenen DNA-Spuren verraten demnach nicht nur, welche Tierarten in einem See oder Bach vorkommen, sondern ermöglichen auch eine Schätzung der Bestandsdichte.

Foto: Copyright Lars L. Iversen

„In den Wasserproben finden wir DNA von so verschiedenen Tieren wie Fischottern und Libellen“, erklärt Philip Francis Thomsen vom Staatlichen Naturkundemuseum in Kopenhagen. Die DNA-Methode könnte klassische Erhebungen, die zeitaufwändig sind und eingehende Artenkenntnisse erfordern, daher zumindest ergänzen, glauben der Biologe und seine Kollegen. Das gelte ganz besonders im Hinblick auf Tierarten, die nur durch wenige Individuen vertreten seien.

An und in Gewässern lebende Tiere geben mit abgestoßenen Zellen, Sekreten und Ausscheidungen ständig etwas DNA an das Wasser ab. Dieser Umstand wird bereits genutzt, um das Vorhandensein eingeschleppter Spezies nachzuweisen. Die Gruppe um Thomsen und seinen Doktorvater Eske Willerslev ging nun der Frage nach, ob die Erbgutspuren auch eine umfassendere faunistische Inventur erlauben.

Foto zeigt dunkelbraunen, aalförmigen Fisch mit Barteln Foto: Copyright Lars L. Iversen

Die Forscher führten klassische Bestandsaufnahmen an 100 Seen und Bächen und parallel dazu DNA-Analysen an teils nur 15 Milliliter großen Wasserproben durch. Dabei konzentrierten sie sich auf sechs Spezies – den „Urzeitkrebs“ Triops, den aalförmigen Schlammpeitzger, Kammmolch, Schaufelfußkröte und Fischotter sowie die Große Moosjungfer als stark gefährdete Libellenart. Tatsächlich stimmten die Resultate der beiden Methoden gut überein, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Molecular Ecology“. Experimente mit gezielt besetzten Wasserbecken lieferten eine zusätzliche Bestätigung und zeigten zudem, dass mit einer Spezies binnen zwei Wochen auch ihre DNA-Spur verschwindet.

Grundsätzlich herrsche weltweit Einigkeit über die Bedeutung der biologischen Vielfalt und ihres Schutzes, so Thomsens Kollege Jos Kielgast mit Verweis auf entsprechende Bemühungen der Vereinten Nationen. „Eine Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass wir in der Lage sind, den Status bedrohter Arten angemessen zu dokumentieren.“ Die DNA-Methode stelle einen relativ einfachen und kostengünstigen Ansatz dar, Artengemeinschaften im größeren Maßstab zu kontrollieren, so der Forscher. Daher sei es grundsätzlich vorstellbar, dass im Meerwasser enthaltene Fisch-DNA künftig auch für die Festlegung von Fangquoten genutzt werde.

Forschung: Philip Francis Thomsen, Jos Kielgast und Eske Willerslev, Center for Geogenetik, Statens Naturhistoriske Museum, Københavns Universitet; und andere

Veröffentlichung Molecular Ecology, Vol. 21(2), DOI 10.1111/j.1365-294X.2011.05418.x

WWW:
Center for Geogenetik, Københavns Universitet
Persistence of Environmental DNA in Freshwater Ecosystems
Biodiversitäts-Konvention
eDNA and Asian Carp

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
DNA-Fährte verrät Ochsenfrosch

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