Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 3. Januar 2012 23:00 Weiter lesen →

Warme Oasen im Eismeer

Foto zeigt von weißen Krabben dicht an dicht bedeckten Meeresgrund mit dunklem Gestein Am Grund des Südpolarmeers gibt es Oasen, in denen es von exotischem Leben nur so wimmelt. Das haben europäische und amerikanische Forscher entdeckt. Mithilfe von druckfesten Kameras und Tauchrobotern fanden sie untermeerische Quellen, aus denen mehr als 380 Grad Celsius heißes Wasser voller Schwefelwasserstoff austritt und in deren Umgebung fremdartige Tiergemeinschaften gedeihen.

Foto: Oxford University

Dominiert werden diese Lebensgemeinschaften von Yetikrabben, die ihren Namen einem dichten Pelz aus Borsten verdanken, sowie von Entenmuscheln und verschiedenen Schnecken, berichten Alex Rogers von der Universität Oxford und seine Kollegen im Fachblatt „PLoS Biology“. Pompejiwürmer, Bartwürmer und Muscheln, wie sie für hydrothermale Quellen in anderen Meeren typisch sind, fehlen dagegen. „Was wir hier nicht gefunden haben, ist beinahe genauso überraschend wie das, was wir gefunden haben“, so der Zoologe.

Die neu entdeckten Oasen liegen in der Scotiasee zwischen Feuerland und der Antarktischen Halbinsel. Bereits Ende der 90er-Jahre hatte es Hinweise auf heiße Quellen an einem Tiefseerücken im Osten des Gebiets gegeben. Doch erst vor zwei Jahren konnten die Forscher die erste von mittlerweile drei Expeditionen an den Rücken durchführen – und wurden in Tiefen von mehr als 2.400 Metern fündig.

Die Kamerabilder und Messdaten zeigten, dass an dem Rücken an mehreren Stellen saures, schwefelwasserstoffhaltiges Wasser mit einer Temperatur von bis zu 383 Grad austritt. Wo dieses Wasser mit dem eiskalten Meereswasser in Kontakt kommt, fallen dunkle Sulfidmineralien aus und bilden regelrechte Qualmwolken.

Foto zeigt kleinen, beinahe schneeweißen Kraken mit dunklen Augen auf graugrünlichem Meeresgrund Foto: Oxford University

Zwischen den teils 15 Meter hohen Quellschloten tummeln sich pro Quadratmeter bis zu 600 faustgroße, fahlweiße Krebse, die vermutlich eine neue Art der Yetikrabben (Gattung Kiwa) repräsentieren. Die Tiere ernähren sich zumindest teilweise von Bakterien, die auf ihren Borsten wachsen und die das Sulfid im Quellwasser zur Energiegewinnung nutzen können – als Alternative zum Sonnenlicht.

Weitere Bewohner der hydrothermalen Quellen in der Scotiasee sind Schnecken mit einem bräunlichen Spiralgehäuse, Seeanemonen, dicht an dicht stehende Entenmuscheln sowie kleine Napfschnecken, die den Bakterienrasen auf dem Gestein sowie auf Krebspanzern und Schneckenhäusern abweiden. Seesterne mit sieben Armen machen Jagd auf die Yetikrabben, gelegentlich tauchten zudem kleine weiße Kraken auf den Kamerabildern auf.

Offenbar brächten die besonderen Bedingungen des Südpolarmeers selbst in einigen Kilometern Tiefe ganz eigene Lebensgemeinschaften hervor, folgern Rogers und seine Kollegen. „Unsere Entdeckungen sind ein neuer Beweis für die kostbare Vielfalt, die uns die Weltmeere bieten“, so der Forscher. „Ob es die lichtdurchfluteten Korallenriffe der Tropen sind oder die Quellen in der ewigen Finsternis der antarktischen Tiefsee – wo wir auch hinsehen, finden wir einzigartige Ökosysteme, die es zu verstehen und zu schützen gilt.“

Forschung: Alex D. Rogers, Department of Zoology, University of Oxford; Paul A. Tyler und Jon T. Copley, National Oceanography Centre, University of Southampton; Katrin Zwirglmaier, British Antarctic Survey, Cambridge; und andere

Veröffentlichung PLoS Biology, Vol. 10(1), Artikel e1001234, DOI 10.1371/journal.pbio.1001234

WWW:
Alex Rogers, University of Oxford
National Oceanography Centre, Southampton
East Scotia Ridge Expedition
Hydrothermal Vents
Discovery of the „Yeti Crab“

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