Posted in: Fischerei 12. Dezember 2011 16:08 0 Kommentare Weiter lesen →

Versauerung gefährdet Dorsche

Die Versauerung der Meere macht Fischlarven das Leben schwer. Das hat eine internationale Forschergruppe beim Dorsch-Nachwuchs nachweisen können. In Versuchstanks setzte sie Fischlarven jenen Konzentrationen an Kohlendioxid aus, die zukünftig in den natürlichen Lebensräumen der Dorsche erwartet werden.

Dorschlarve. Foto: IFM-GEOMAR

Unter Leitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) setzten die Forscher Fischlarven drei verschiedenen Kohlendioxid-Konzentrationen aus. In der ersten Freiluft-Versuchsanlage wuchsen die Larven in der heutigen Konzentration von 380 µatm heran. Im zweiten Fall mussten die Larven 1800 µatm, die erwartete Konzentration für das Ende des nächsten Jahrhunderts, überstehen. Und in einem dritten Szenario waren die Larven der extremen Konzentration von 4200 µatm ausgesetzt, die vor allem in Küstenregionen zukünftig erreicht werden könnte. Die Entwicklung der Dorschlarven wurde über einen Zeitraum von sieben Wochen nach dem Schlüpfen dokumentiert.

Versuchsanlagen bei der Marinen Station der Uni Bergen am Bergen Fjord. Foto: IFM-GEOMAR

Die Testreihen ergaben, “dass die Larven des Dorsches besonders anfällig gegen Veränderungen des pH-Wertes sind”, fasst die Biologin Andrea Frommel das Ergebnis zusammen. Demnach wurden vor allem Gewebeschäden bei vielen inneren Organen der Larven festgestellt. “Das liegt daran, dass die Larven in diesem Zeitfenster in einem kritischen Stadium sind, in dem viele innere Umbauprozesse stattfinden. Diese Entwicklungen sind sehr energieaufwändig und daher besonders anfällig für Umweltveränderungen, vor allem da die Mechanismen zur Säure-Base Regulierung noch nicht voll ausgebildet sind”, begründet Frommel die Beobachtungen.

“Die Studie zeigt, dass die zunehmende Versauerung des Meerwassers die Überlebenschancen der Fischbestände als weiterer Stressfaktor verringern könnte. Was besonders kritisch ist, da das Überleben der Fischlarven für Erhalt und Wiederaufbau überfischter Bestände von elementarer Bedeutung ist”, so Frommel.

Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Onlineausgabe von “Nature Climate Change” veröffentlicht.

Forschung: Andrea Y. Frommel, Rommel Maneja, David Lowe, Arne M. Malzahn, u.a.; veröffentlicht in “Nature Climate Change”,11.12.2011, doi: dx.doi.org/10.1038/NCLIMATE1324

WWW:
Abstract in “Nature Climate Change”
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

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