Posted in: Klima, Pflanzenwelt 29. November 2011 14:33 0 Kommentare Weiter lesen →

Antarktische Flora reagiert auf Klimawandel

Foto zeigt dichten grünen Moosteppich auf hellem Gestein, das an einigen Stellen durchblitzt Der Klimawandel macht sich in der Antarktis stärker bemerkbar als bislang angenommen. Entsprechende Resultate liefern Untersuchungen australischer Biologen und Kernphysiker. Anhand von Kohlenstoff aus Kernwaffentests konnten sie nachweisen, dass sich die Wachstumsgeschwindigkeit antarktischer Moose in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert hat.

Foto: Sharon Robinson

„Unsere Resultate deuten darauf hin, dass der gegenwärtige Klimawandel tiefgreifenden Einfluss auf die Flora der Antarktis hat“, erklärt Sharon Robinson von der Universität Wollongong. Der Effekt variiert allerdings je nach Region, berichten die Forscherin und ihre Kollegen im Fachblatt „Global Change Biology“. Während die Moose stellenweise durch den stärker wehenden Wind ausgetrocknet werden, wachsen sie andernorts besser, weil ihnen mehr Schmelzwasser zur Verfügung steht.

Die Forscher sammelten Moose an mehreren Stellen in der Ostantarktis und analysierten die wenige Zentimeter langen Stämmchen auf ihren Gehalt an Kohlenstoff-14. In den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts waren bei oberirdischen Kernwaffentests schlagartig große Mengen des radioaktiven Isotops in die Atmosphäre und in der Folge in die Biosphäre gelangt. Ein entsprechender Ausschlag der Messwerte zeigte sich auch bei den Moosen und ermöglichte es, ihr Wachstum zu rekapitulieren.

„Bei einigen Moosspezies fand sich der Radiokohlenstoff-Ausschlag lediglich 15 Millimeter unterhalb der Spitze eines 50 Millimeter langen Stämmchens“, so Robinson weiter. „Dies lässt vermuten, dass die Pflanzen mehr als 100 Jahre alt sind.“ Die Wachstumsrate variierte zudem zwischen 0,2 und 3,5 Millimeter pro Jahr, ermittelten die Forscherin und ihre Kollegen. Während der Wert auf einer küstennahen Inselgruppe heute deutlich niedriger liegt als noch in den 80er-Jahren, ist er bei landeinwärts wachsenden Moosen gestiegen.

Fotos zeigen Moosbündel mit schmalem grünen Rand und langen braunen Stämmchen Fotos: Ellen Ryan-Colton (oben) und Sharon Robinson

Veränderungen im Gehalt eines weiteren Kohlenstoffisotops, des stabilen C-13, weisen auf eine verschlechterte bzw. verbesserte Verfügbarkeit von Wasser als Ursache hin. Diese Unterschiede ließen sich wiederum gut anhand von Klimadaten erklären, so Robinson und Kollegen. Auf der Inselgruppe – und generell an der Peripherie der Antarktis – seien in den letzten Jahrzehnten gestiegene Windgeschwindigkeiten gemessen worden. An landeinwärts gelegenen und besser geschützten Standorten habe sich dagegen ein feuchteres Mikroklima eingestellt, indem die Temperaturen gestiegen seien.

Forschung: Laurence J. Clarke und Sharon A. Robinson, Institute for Conservation Biology and Environmental Management, University of Wollongong, Wollongong, und School of Earth and Environmental Sciences, University of Adelaide; David Fink, Australian Nuclear Science and Technology Organisation, Kirrawee; und andere

Veröffentlichung Global Change Biology, DOI 10.1111/j.1365-2486.2011.02560.x

WWW:
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