Posted in: Klima, Meeresforschung 17. November 2011 13:38 0 Kommentare Weiter lesen →

Klimawandel: Reaktionsträge Schelfmeere

Foto zeigt metallisch wirkendes Meer mit Eisschollen unter wolkenverhangenem Himmel Hohe Konzentrationen des Treibhausgases Methan im Nordpolarmeer vor Sibirien sind nicht unbedingt eine Folge des derzeitigen Klimawandels. Zu diesem Schluss kommen deutsche, russische und kanadische Forscher. Ihrer Ansicht nach geht die jüngst beobachtete Übersättigung des Meerwassers mit Methan eher auf die schlagartige Erwärmung des Untergrunds gegen Ende der letzten Eiszeit zurück.

Foto: T. Klagge, IFM-GEOMAR

„Die Methankonzentrationen vor den sibirischen Küsten sind keine Folge der aktuellen Klimaerwärmung, sondern Spätfolgen einer Klimaerwärmung, die vor etwa 10.000 Jahren begann“, erklärt Igor Dmitrenko vom Kieler Leibniz-Institut für Meeresforschung. Zwar habe sich das bodennahe Wasser in den ostsibirischen Schelfgebieten seit den 80er-Jahren um mehr als zwei Grad Celsius erwärmt. Diese Entwicklung werde sich aber erst mit Jahrzehnten oder Jahrhunderten Verzögerung tief im Sediment bemerkbar machen, schreiben der Forscher und seine Kollegen im „Journal of Geophysical Research“.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die globale Erwärmung vor allem in den hohen nördlichen Breiten eine starke Rückkopplung erfahren wird. Dort haben sich über Jahrtausende Biomasse und Abbauprodukte wie Methan im tiefgefrorenen Untergrund angesammelt. Die jüngsten Beobachtungen von hohen Methankonzentrationen im Meer vor Spitzbergen und vor Ostsibirien hatten vermuten lassen, dass die jüngste Erwärmung bereits eine Destabilisierung dieses Reservoirs und damit die Freisetzung von zusätzlichem Treibhausgas bewirkt.

Nahaufnahme zeigt graues feinkörniges Sediment, darin eine klare Eisschicht Eine zwei Zentimeter dicke Eisschicht in Sediment aus 14 Metern Tiefe unter dem Meeresboden. Foto: H. Kassens, IFM-GEOMAR

Tatsächlich hängen die Auswirkungen stark von den Gegebenheiten vor Ort ab, demonstriert die neue Studie. Die Forscher fütterten Rechenmodelle mit Messdaten, die bis ins Jahr 1920 zurückreichen, und fanden, dass die Erwärmung der letzten Jahrzehnte nur etwa einen Meter tief in den Permafrost im Schelfmeer vorgedrungen sein kann. Die hohen Methankonzentration und der zugrunde liegende Tauprozess dürften vielmehr auf das Ende der letzten Eiszeit zurückgehen, als der Permafrost mit dem Anstieg des Meeresspiegels überflutet wurde. Damals sei die Durchschnittstemperatur im Boden jäh von minus 13,5 Grad Celsius auf minus 1,5 Grad gestiegen, erklärt Dmitrenko.

„Die dicken Sedimentschichten, die sich in den vergangenen Jahrtausenden auf dem Meeresboden abgelagert haben, sind eine gute Isolierschicht“, so der Forscher weiter. Wie lange diese Isolierung halte, sei allerdings schwer zu bestimmen. Zudem könne sich der aktuelle Klimawandel andernorts sehr viel direkter auswirken. „Erstens gelten unsere Ergebnisse nicht für Permafrostböden an Land. Und zweitens haben die von uns nachgewiesenen Temperaturerhöhungen im arktischen Ozean andere gravierende Auswirkungen auf das Klimasystem und die Ökologie der Arktis.“

Forschung: Igor A. Dmitrenko und Heidemarie Kassens, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) an der Universität Kiel; Mikhail N. Grigoriev, Melnikov Permafrost Institute, Siberian Branch of the Russian Academy of Science, Yakutsk; und andere

Veröfffentlichung Journal of Geophysical Research – Oceans, Vol. 116, Artikel C10027, DOI 10.1029/2011JC007218

WWW:
Eurasische Schelfmeere im Umbruch, IFM-GEOMAR
Methan im Permafrost

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Methanfahnen im Polarmeer beobachtet
Permafrost in Aufruhr
Feuchtgebiete beschleunigten Ende der Eiszeit

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