Posted in: Klima, Meeresforschung 3. November 2011 20:00 Weiter lesen →

Wettlauf mit dem Klimawandel

Unterwasseraufnahme eines dichten Schwarms gelb gestreifter Fische mit hellem Kopf und dunklen Augen vor tiefblauem Hintergrund In den Weltmeeren steigen die Temperaturen langsamer als an Land. Dennoch könnte es für das Leben im Meer besonders schwierig sein, mit dem Klimawandel Schritt zu halten, lassen Berechnungen einer internationalen Forschergruppe vermuten. Da in den Ozeanen vergleichsweise stete Bedingungen herrschen, entspricht dort schon eine geringe Temperaturveränderung einer raschen geografischen und jahreszeitlichen Verlagerung.

Foto: Courtesy of Hugh Brown, Scottish Association for Marine Science

Als Resultat fallen die Veränderungen in den Weltmeeren insgesamt ähnlich stark aus wie die auf den Kontinenten, ermittelten die Forscher um Michael Burrows von der Scottish Association for Marine Science. Mehrere Meeresgebiete könnte es allerdings sehr hart treffen – darunter auch so artenreiche Regionen wie das südostasiatische Korallendreieck.

Burrows und Kollegen, unter ihnen auch Wolfgang Kiessling vom Berliner Museum für Naturkunde, analysierten globale Temperaturdaten aus dem Zeitraum 1960 bis 2009. An Land sind die Temperaturen demnach im Mittel um 0,24 Grad Celsius pro Jahrzehnt gestiegen – mehr als drei Mal so rasch wie in den Meeren mit einem Anstieg um 0,07 Grad pro Dekade. Misst man diese Veränderungen an den Verhältnissen vor Ort, ergibt sich jedoch ein anderes Bild, berichtet die Gruppe im Magazin „Science“.

Die Forscher dividierten für jeden Punkt ihres globalen Datengitters die beobachtete Rate der Temperaturveränderung durch den Wert des geografischen Temperaturgefälles – und erhielten so einen rechnerischen Wert für die Geschwindigkeit, mit der sich die örtliche „Klimazone“ verschiebt. Insgesamt ergaben sich für Land und Meer sehr ähnliche Werte um 27 Kilometer pro Jahrzehnt. Für das Nordpolarmeer und die tropischen Meere lagen die Werte allerdings bis zu sieben Mal höher als an Land.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Verschiebung der Jahreszeiten – berechnet anhand der jährlichen Temperaturkurve der einzelnen Gitterpunkte. Seit 1960 hat der Frühling im Meer pro Jahrzehnt um bis zu 2,5 Tage früher begonnen – für die Nordsee ergaben sich sogar Werte von bis zu 10 Tagen pro Jahrzehnt. An Land betrug die Verschiebung etwa 2 Tage pro Jahrzehnt. Umgekehrt hat sich der Winteranfang im Meer um bis zu 2,3, an Land dagegen nur um etwa 1,2 Tage pro Jahrzehnt verzögert.

„Das Meeresleben muss auf diesen Klimawandel durch Anpassung oder Abwanderung reagieren“, erläutert Kiessling. Jedoch sei es nicht allen Meeresbewohnern möglich, bei steigenden Temperaturen einfach in größere Wassertiefen auszuweichen. Auch könne beispielsweise das Leben im Mittelmeer nur im begrenzten Maße gen Norden wandern. Falls sich die Meeresbewohner nicht genügend rasch anpassen könnten, sei daher ein verstärktes Artensterben in den Meeren zu befürchten.

Forschung: Michael T. Burrows, Department of Ecology, Scottish Association for Marine Science, Scottish Marine Institute, Oban; David S. Schoeman, School of Environmental Sciences, University of Ulster, Coleraine, und Department of Zoology, Nelson Mandela Metropolitan university, Port Elizabeth; Wolfgang Kiessling, Museum für Naturkunde an der Humboldt-Universität zu Berlin; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 334, 4. November 2011, pp 652-5, DOI 10.1126/science.1210288

WWW:
Ecology Department, Scottish Marine Institute
Museum für Naturkunde, Berlin
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