Posted in: Natur- und Umweltschutz, Verkehr 2. November 2011 13:43 Weiter lesen →

Straßen stören Fledermäuse

Foto zeigt Fledermaus im Flug mit straff gespannten Flughäuten Straßenverkehr stellt nicht nur eine unmittelbare Gefahr für Fledermäuse dar. Englische Biologen haben ermittelt, dass die Zahl der Fledermausarten und die Aktivität der Tiere in einem breiten Korridor entlang einer Autobahn reduziert ist. Der Effekt lässt sich noch in 1,6 Kilometern Entfernung nachweisen.

Foto: Frank Greenaway/University of Leeds

„Unsere Untersuchung zeigt, dass Straßen einen weitreichenden Einfluss auf Fledermäuse haben“, erklärt John Altringham von der Universität Leeds. „Bei Straßenbauprojekten muss das berücksichtigt werden, andernfalls droht ein Verstoß gegen geltendes Recht.“ Fledermäuse ständen nicht nur in Großbritannien, sondern in ganz Europa unter Naturschutz, so der Forscher. Möglicherweise lasse sich dieser Konflikt jedoch mit begrünten Überführungen und anderen Querungshilfen entschärfen.

Altringham und seine Studentin Anna Berthinussen führten ihre Studie an der Autobahn M6 in Nordengland durch. Die Forscherin schritt dazu 20 verschiedene, quer zur Autobahn verlaufende Routen ab. Bis in eine Entfernung von 1,6 Kilometern erfasste sie mithilfe eines Ultraschalldetektors, wie eifrig welche Fledermausarten in der Umgebung auf Nahrungssuche waren. Insgesamt wurden knapp 3.500 Überflüge von Fledermäusen erfasst.

In dem unmittelbar an die Autobahn grenzenden Streifen lag die Fledermaus-Aktivität um den Faktor drei niedriger als im größten berücksichtigten Abstand, berichtet das Forscherduo im „Journal of Applied Ecology“. Der Effekt war – unabhängig von Faktoren wie Uhrzeit und Vegetation – in allen Artengruppen feststellbar. Besonders ausgeprägt war er bei Mausohren (Gattung Myotis).

„Die meisten Fledermausarten fliegen in relativ geringer Höhe und suchen die Nähe von Bäumen und Hecken“, erläutert Altringham. „Daher widerstrebt es ihnen, weite offene Flächen wie etwa eine große Straße zu überqueren.“ Da die Tiere in mehreren Kilometern Umkreis um ihren Ruheplatz nach Fressbarem suchten, mache es der Bau einer Straße für sie schwieriger, ausreichend Nahrung zu finden. Die Folge sei in eine verringerte Nachkommenzahl in einer Gruppe von Säugern, die ohnehin mit Bestandsrückgängen zu kämpfen habe.

Forschung: Anna Berthinussen und John Altringham, Institute of Integrative and Comparative Biology, University of Leeds, Leeds

Veröffentlichung Journal of Applied Ecology, DOI 10.1111/j.1365-2664.2011.02068.x

WWW:
Altringham Lab, University of Leeds
Die heimischen Fledermäuse

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Kleine Straßentunnel für kleine Nager

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