Posted in: Meeresforschung, Tierwelt 7. Oktober 2011 18:40 0 Kommentare Weiter lesen →

Thun frisst Thun

Makroaufnahme zeigt Fischlarve mit großem, silbrig schimmernden Auge, im transparenten Leib deutlich sichtbar eine kleinere Larve Kannibalismus ist für junge Thunfische im negativen wie im positiven Sinn eine Frage des Überlebens, haben spanische und norwegische Forscher entdeckt. Bei verschiedenen Thunfischarten können sich die Larven demnach nur deshalb gut entwickeln, weil sie ihren Speiseplan durch kleinere Artgenossen ergänzen.

Foto: Francisco Alemany, C. O. de Baleares-IEO

In fast allen Thunfisch-Laichgebieten fänden die Larven eher wenig wirbellose Beute vor, erklärt Patricia Reglero vom Spanischen Institut für Ozeanografie in Palma. Unter diesen Bedingungen “könnte das Überleben der Thunfische vom gleichzeitigen Auftreten unterschiedlich großer Larven und von der Etablierung von Räuber-Beute-Beziehungen zwischen ihnen abhängen”, so die Forscherin.

Bei vielen Tierarten trägt Kannibalismus zumindest in der ersten Lebensphase erheblich zur Sterblichkeit bei. Umgekehrt kann Kannibalismus aber auch den Fortbestand einer Population sichern, wenn andere Nahrung knapp ist. Reglero und ihre Kollegen untersuchten diese Frage anhand von drei Vertretern der Thunfischfamilie, die im Mittelmeer im Gebiet der Balearen laichen.

Die Forscher nutzten Daten von Planktonfängen, bei denen verschiedene Larvenstadien von Rotem Thun, Weißem Thun und Unechtem Bonito sowie die Dichte potenzieller Beuteorganismen erfasst worden waren. Diese Daten kombinierten sie mit Modellen, die den Energiehaushalt der Larven beschreiben. Gerade bei etwas älteren Larven lassen sich die beobachteten Wachstumsraten demnach kaum ohne Kannibalismus erklären, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Marine Ecology Progress Series”. Und gemessen an dem häufigen gemeinsamen Auftreten unterschiedlich alter Larven, ist die Gelegenheit dazu durchaus gegeben.

“Diese großen Raubfische sind beim Schlüpfen nur etwa drei Millimeter lang und legen dann ein rasches Wachstum an den Tag”, so Reglero weiter. Angesichts des beschränkten Nahrungsangebots in den Laichgewässern sei es möglicherweise kein Zufall, dass sich die Laichsaison über mehrere Wochen ziehe und große Massen von Eiern ins Wasser entlassen würden.

Forschung: Patricia Reglero Barón und Francisco Alemany Llodrá, Centre Oceanogràfic de les Balears, Instituto Español de Oceanografía, Palma; Argutzane Urtizberea und Øvind Fiksen, Institutt for biologi, Universitetet i Bergen, Bergen; und andere

Veröffentlichung Marine Ecology Progress Series, Vol. 433, pp 205-19, DOI 10.3354/meps09187

WWW:
Centre Oceanogràfic de les Balears, IEO
Theoretical Ecology Group, Universität Bergen
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